Jasmin Schmid — 12.11.2020

Der Konjunkturbericht Herbst 2020 stellt eine dynamische Verbesserung der Lage der Textil- und Bekleidungsbranche über den Sommer hinweg fest. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass die Textil- und Bekleidungsunternehmen ihre Situation als weiterhin überdurchschnittlich ungenügend wahrnehmen. Die dritte Mitgliederumfrage zur Betroffenheit durch die Corona-Krise beleuchtet diese Wahrnehmung etwas genauer.

Die Textil- und Bekleidungsbranche ist weiterhin stark fiebrig. Gegenüber der Situation im Juni sank das Fieber zwar leicht. Gemäss unserem Betroffenheitsbarometer schätzen wir es bei 39.3°, was weiterhin im hohen Bereich liegt. Die geringfügige Senkung rührt daher, dass sich die Lage bei 37 Prozent der Unternehmen gar verschlechtert hat. Bei 63 Prozent Unternehmen trat seit Juni entweder eine Verbesserung ein oder die Lage blieb unverändert. Nach wie vor dominieren der Umsatz- sowie der Bestellungsrückgang als die grössten Problembereiter. Gegenüber den Umfragewerten von Mai-Juni bzw. März-April haben sich die Einbussen zuletzt verringert, eine Kompensation liegt jedoch noch weit entfernt. Für die Branche resultiert seit Februar ein durchschnittlicher Umsatzrückgang von 15 Prozent. Inzwischen ist das Virus selbst auch in den Unternehmen angekommen. Auf Platz drei der grössten Schwierigkeiten figurieren die Arbeitsausfälle aufgrund von Quarantänemassnahmen oder Krankheitsfällen. Sie betreffen rund 46 Prozent der Unternehmen.

Bis zur Bewältigung der Krise bleibt noch ein langer Weg. Rund 40 Prozent der Unternehmen rechnen erst in zwölf Monaten mit einer Normalisierung ihrer Geschäftstätigkeit. Ein starkes Durchhaltevermögen ist gefragt. Dies muss zwingend durch positive Perspektiven seitens der Politik und Gesellschaft gestärkt werden:

  • Erstens indem ein zweiter Lockdown durch strikte Einhaltung der Schutzmassnahmen durch uns Alle verhindert wird.
  • Zweitens indem das bewährte Instrument der vereinfachten Beantragung der Kurzarbeit auch 2021 beibehalten und durch die Abschaffung des Karenztages und die Möglichkeit der Berücksichtigung von Praxisbildnern punktuell verbessert wird.
  • Drittens wünschen wir uns eine Reaktivierung der COVID-19-Kredite. Subsidiär unterstützen wir die Einführung einer Härtefallregelung. Allerdings muss darauf Acht gegeben werden, dass lediglich zukunftsfähige Geschäftsmodelle davon profitieren. A-fonds-perdu-Beiträge sind mit angezogener Handbremse und nur im Ausnahmefall anzuwenden. Zentral ist eine Klärung des Verhältnisses zu den COVID-Krediten sowie eine schweizweit einheitliche Regelung, um eine Gleichbehandlung der Unternehmen sicherzustellen.
  • Viertens erschweren hohe Zölle und komplizierte Ursprungsregeln den Geschäftsalltag unserer Branche. Neue, moderne Freihandelsabkommen und die Abschaffung der Industriezölle würden hier rasch und unbürokratisch helfen.
  • Schliesslich können wir als Stimmbürgerinnen und Stimmbürger mit einer Ablehnung der Unternehmensverantwortungsinitiative dafür sorgen, dass sich die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen für die Schweizer KMU nicht verschlechtern.

Die gesamte Auswertung finden Sie hier.

Rückfragen

Jasmin Schmid

Jasmin Schmid

Leiterin Wirtschaft und Statistik
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