Peter Flückiger — 12.03.2020

Die aktuelle Situation rund um den Coronavirus zeigt, wie verwundbar global aufgestellte KMU, die einen Grossteil unserer Branche ausmachen, sind. Swiss Textiles steht in engem Kontakt mit seinen Mitgliedern und beurteilt die Situation wie folgt:

Generelle Betroffenheit Textil- und Bekleidungsbranche

  • Die Schweizerische Textil- und Bekleidungsbranche ist vom Corona-Virus betroffen. Insbesondere, weil China und Italien zu den wichtigsten Handelspartnern unserer Branche gehören.
  • China ist neu die Nummer 2 für die Beschaffung von Textilien (239 Mio.) und seit längerem Spitzenreiter für die Beschaffung von Bekleidung (1.9 Mrd.). Absatzseitig ist China im Textilbereich unser sechst wichtigster Markt (54 Mio.) und im Bekleidungsbereich unser dritt wichtigster (86 Mio.).
  • Italien ist analog China einer der wichtigsten Handelspartner unserer Branche – sowohl absatz- wie beschaffungsseitig. Darüber hinaus beschäftigen die Konfektionsbetriebe im Tessin rund 3’500-4’000 italienische Grenzgänger*innen.

Beschaffung

  • Lieferausfälle sind bislang die Ausnahme, jedoch ist die Mehrheit der Unternehmen von zeitlichen Verzögerungen um mehrere Wochen bei chinesischen Produkten betroffen. Ein Unternehmen berichtet von Lieferengpässen in Europa, aufgrund von Hamstereinkäufen.
  • Mehrere Unternehmen berichten davon, dass gemäss den Speditionsfirmen die Aktivität in China stark eingeschränkt sei. Ein Unternehmen meldete konkret, dass die meisten Hafeninfrastrukturen (wie z. B. Shanghai) für Sendungen aus dem chinesischen Festland de facto gesperrt seien. Zwar würden solche Sendungen entgegengenommen, aber sogleich in eine 14-tägige Quarantäne gestellt. Deshalb sind die Transportkosten gestiegen. Ein Unternehmen berichtet von einer Zunahme um 30 Prozent.
  • Chinesischen Aussteller blieben der Internationalen Ausstellung für Bekleidungstextilien, der Première Vision (eine der wichtigsten Messen im Jahr) fern. Textworld in Paris war ebenfalls halbleer, die Intertex in Shanghai und der Salone in Milano wurden verschoben.
  • Beschaffungsseitig halten sich die Schwierigkeiten mit China soweit in Grenzen. Dies hat zwei Gründe: Provinz Hubei mit Stadt Wuhan ist kein Schwerpunkt der Textil- und Bekleidungsindustrie. Während des chinesischen Neujahrsfests wird generell weniger aus China bestellt, da die Produktionen in China zurückgefahren werden.
  • Die Abriegelung Italiens beunruhigt die Unternehmen. Die Aufrechterhaltung der Produktionen der Zulieferer gestaltet sich zunehmend schwieriger.

Absatz

  • Die Schweizer Textil- und Bekleidungsbranche ist Lieferant unterschiedlicher Wirtschaftszweige (Hotellerie, Architektur, Medizin, Bau, Automobil etc.). Die Sektoren sind unterschiedlich betroffen und somit auch unsere Mitglieder.
  • Textilunternehmen, die die Hotellerie beliefern (Vorhänge, Bettwäsche etc.), berichten von einem starken Bestellungsrückgang.
  • China: Gewisse chinesische Produktionsbetriebe, denen unsere Mitglieder als Zulieferanten dienen wurden vorübergehend geschlossen und auch wichtige Brands schlossen ihre Läden. Entsprechend sank die chinesische Nachfrage nach europäischen Garnen, Geweben und Bekleidung. Das Neujahresgeschäft brach ein und somit fiel der wichtigste Monat im Jahr im Geschäft mit China umsatzmässig aus. Ein Unternehmen rechnet mit Umsatzeinbussen in seinem chinesischen Betrieb, da diese länger geschlossen hatte als normal während des Neujahresfest.
  • Mitglieder für die weder die Hotellerie noch China ein wichtiger Markt ist, sind von Umsatzeinbussen bislang nicht betroffen. Zurzeit laufen die CH-Produktionen der meisten Mitglieder wie gehabt. Allerdings rechnen die befragten Unternehmen mit künftigen Umsatzeinbussen – vor allem auf dem italienischen Markt.
  • Anstieg der Transportkosten in Luft- und Seefracht. Insbesondere im Seefrachtbereich gibt es weitere Schwierigkeiten wie längere Wartezeiten aufgrund einem Mangel an Containern.

Für Swiss Textiles ist zentral, dass der Bund eine unbürokratische und vereinfachte Bewilligung von Kurzarbeit und Massnahmen zur Verbesserung der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen zulässt.

Rückfragen

Peter Flückiger

Peter Flückiger

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