Jeroen van Rooijen — 11.02.2019

Ende 2017 gewann die Zürcher Designerin Yvonne Reichmuth mit ihrem Label YVY am Design Preis Schweiz in Langenthal den Swiss Textiles Prize for Young Fashion and Textile Entrepreneurs. 15 Monate später ist sie mit der Entwicklung ihrer Marke ein wichtiges Stück vorangekommen.

Wer sich in der zeitgenössischen Schweizer Mode- und Designszene bewegt, stösst schnell auf diesen Namen: YVY. Hinter dem prägnanten Kürzel steckt Yvonne Reichmuth, 1986 in Pfäffikon/SZ geboren, in Zürich zur Modedesignerin ausgebildet und seit 2013 unter eigenem Namen tätig. Ihre Spezialität ist Leder, welches sie zu skulpturalen, modernen und weichlichen Objekten zum Anziehen verarbeitet. Die Bandbreite der Kollektion reicht von BHs über Korsagen, Gürtel, Arm- und Halsbänder bis zu Taschen und Kleidern. Die Ideen kommen an, nicht nur in Zürich, wo alles im eigenen Atelier gefertigt wird: YVY ist international gefragt, zu Yvonne Reichmuths Kundinnen gehören Stars wie Taylor Swift, Kristen Stewart, Monica Bellucci, Kylie Jenner, Gwen Stefani, Janet Jackson und andere Grössen der Musik- und Filmbranche.

Yvonne Reichmuth bei der Arbeit in ihrem Zürcher Atelier. (Bild: YVY)
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Im November 2017 gewann Yvonne Reichmuth am Design Preis Schweiz in Langenthal den mit 15’000 Franken dotierten Swiss Textiles Prize for Young Fashion and Textile Entrepreneurs. Die Auszeichnung wurde ihr laut Jury zuteil, weil es Reichmuth gelungen sei, «mit ihrer jungen Marke im hoch kompetitiven internationalen Modemarkt eine Nische zu schaffen und diese mit attraktiven Produkten zu besetzen». Gelobt wurde Yvonne Reichmuths Talent zur Vermarktung und medialen Inszenierung – gerade auf Social Media ist YVY ein Erfolgsmodell, das auch wesentlich grössere Marken ungelenk aussehen lässt.

Heute arbeitet Yvonne Reichmuth in einem neuen, grösseren Atelier im Zürcher Kreis 5, in dem sie nun auch adäquates Tageslicht hat und ihre Kundinnen empfangen kann, welche sich von der Designerin Kreationen auf den Leib schneidern lassen.

YVY an der Mode-Suisse-Show 2015 in Mailand. (Bild: YVY)
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Swiss Textiles: Yvonne Reichmuth, wie hat sich Ihre Karriere weiterentwickelt, seit Sie Ende 2017 einen der begehrten Schweizer Designpreise bekommen haben?

Yvonne Reichmuth: Ich konnte weiter wachsen, mein Atelier vergrössern und habe dadurch kreativen Spielraum gewonnen, um das zu tun, das ich am besten kann: Designs entwickeln. Für mich ist Geld immer ein wichtiges Stück Freiheit.

Der Award bestand ja nicht nur aus dem Preisgeld, sondern zu einem Teil auch aus dem Angebot für Coaching und unternehmerische Begleitung durch Swiss Textiles – wie haben Sie dies erlebt?

Es war sehr hilfreich, mich mit Fachleuten, die einen unvoreingenommenen Blick auf meine Arbeit haben, über die Perspektiven auszutauschen. Ich habe dabei auch erfahren, wo meine Grenzen sind und wo ich Hilfe brauche. Auch wenn nicht in jedem Fall konkrete Lösungen entstanden, so war der Austausch wichtig. Ausserdem habe ich durch den Verband neue Kontakte knüpfen können, die mir später sicher auch wieder helfen werden.

Von YVY gibt es auch Yogamatten. (Bild: YVY)
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Sie arbeiten mit Leder, ein sehr spezifisches Material, das entsprechendes Know-how erfordert. Wie konnte Ihnen der Textilverband da helfen?

Es ging nicht so sehr um technische Dinge und Alltagsprobleme, die man ja irgendwie immer auch selbst lösen kann, sondern um den Blick aufs Ganze, auf die Entwicklungschancen und die Perspektiven, die sich mir in fünf oder zehn Jahren bieten. Darüber nachzudenken und mit Fachleuten zu sprechen hat mir erheblich geholfen.

Die meisten Mitglieder von Swiss Textiles sind mittelgrosse Industrieunternehmen und nicht kreative Kleinbetriebe wie Sie – wie viel potenzielle Schnittmenge gibt es im Austausch mit diesen?

Mehr als man denkt. Es war schon sehr wertvoll, einmal mit Menschen zu tun zu haben, die nicht bereits in meiner kreativen Filterblase sind. Ich bin ja nicht nur Designerin, sondern immer mehr auch Unternehmerin, und gerade in diesem Bereich muss ich noch viel dazulernen.

Arbeiten Sie mit anderen Mitgliedern von Swiss Textiles zusammen?

Ja, zum Beispiel mit Swisstulle, dem Schweizer Tüllfabrikanten aus Münchwilen, oder mit der Textilherstellerin Brennet, die zur Herisauer Cilander-Gruppe gehört.

(Bild: YVY)
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Sie verfügen über ein natürliches Talent zur Selbstvermarktung und gehen souverän mit Medien um. Hat der Preis Ihnen diesbezüglich noch neue Türen öffnen können?

Aber sicher. Ich hatte etwa einen Artikel in der «Handelszeitung» oder war in den Top 100 der weiblichen Unternehmerinnen der Schweiz von «Women in Business» – so etwas gäbe es ohne den Preis wohl nicht.

Ein Design-Preis ist wichtig für die Aussenwirkung und die mediale Wahrnehmung, aber gewinnt man dadurch auch neue Kunden?

Ich denke schon. Vielleicht nicht direkt, aber mittel- und langfristig gewiss. Bei mir ist es oft so, dass die Leute eine Weile brauchen, bis sie zu Kunden werden. Zuerst beobachten sie mich, bevor sie schliesslich eines Tages ins Atelier kommen. Sehr oft werden diese Leute dann zu sehr guten, wiederkehrenden Kunden.

Viele Schweizer Kreative in der Mode kauen ein hartes Brot. Was machen Sie besser als Ihre Zeitgenossen?

Ich weiss nicht in jedem Fall, was die anderen machen, aber ich denke, dass die Beschränkung auf ein Material mir sicher hilft. Ich produziere selbst und habe so das Risiko von grossen Warenlagern nicht. Ausserdem habe ich eine sehr klare Designsprache und entwickle meine Kollektion sukzessive weiter. Teilweise werden heute noch Entwürfe bestellt, die ich vor fünf Jahren entwickelt habe.

Was sind die nächsten grossen Ziele?

Mein Motto lautet «Organize the shit out of it!». Ich versuche in diesem Jahr, alles besser zu organisieren, die Abläufe zu optimieren und mehr Struktur in die Firma zu bringen. Danach folgen die nächsten grossen Designwürfe!

YVY by Yvonne Reichmuth
Quellenstrasse 27
8005 Zürich
Tel. +41 79 792 05 75

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