Jeroen van Rooijen — 30.01.2018

Die Gebrüder David und Adrian Bächi produzieren in fünfter Generation Schnüre – für die Lebensmittelindustrie, aber genauso für Industrie und Gewerbe oder Haushalt und Hobby.

David und Adrian Bächi, Geschäftsführer Bächi-Cord AG
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Wie viele Meter Schnur braucht ein durchschnittlicher Mensch im Jahr? Vielleicht alle paar Monate zwei Meter fürs Verschnüren von Altpapier? Das macht etwa 25 Meter. Dazu vielleicht noch einige Meter zum Festbinden von Pflanzen im Garten oder auf der Terrasse? Könnte hinkommen? Nicht im Geringsten! Jeder braucht viel mehr Schnur, als ihm bewusst ist. Man denke nur an die Meter, die nötig sind, um Kabel – etwa die derzeit gefragten Glasfaserkabel – in unterirdische Schächte einzuziehen. An geschnürte Pakete auf der Post. Oder das Netz eines Schinkens. Sowie die Wurst. All das und eine Menge mehr muss geschnürt werden. Und Bächi-Cord im thurgauischen Oberneunforn liefert die Schnüre dazu.

Die Geschichte der Firma Bächi-Cord geht auf das Jahr 1982 zurück, als Bruno Bächi, dessen Vater, Grossvater und Urgrossvater schon Seiler und Zwirner waren, eine eigene Schnurproduktion begann. Zu Beginn kaute der Unternehmer hartes Brot, doch schon bald sprach sich herum, dass Bächi nicht nur zuverlässige und schöne, sondern auch preisgünstige Schnüre herstellt. Die Firma wuchs, 1989 stiess der ältere Sohn David dazu, 1995 auch der jüngere, Adrian. Zusammen führen die beiden heute Bächi-Cord. David, 1969 geboren, ist der Stratege und Kaufmann, Adrian, 1971 geboren, kümmert sich um Technik und Produktentwicklung. Ihre Erfahrung und Kompetenz haben die Firma zu einem verlässlichen Spezialisten in ihrem Gebiet gemacht. «Man kennt uns, wenn es etwas zu schnüren gibt», sagt David Bächi bescheiden.

Hier werden einzelne Fäden miteinander zu einer festen Schnur verzwirnt. Die Anlagen bei Bächi-Cord AG laufen weitgehend autonom.
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Drei Standorte, eine Firma

Die Firma ist domiziliert im ländlichen Oberneunforn, an der Grenze zwischen den Kantonen Thurgau und Zürich. Der Hauptsitz befindet sich mitten im Ort in einem umgebauten Bauernhaus – wer es nicht weiss, würde in den dahinterliegenden Gebäuden keine industrielle Produktion vermuten. Etwas augenfälliger ist der zweite Standort im Dorf, wo die Schnüre für den Lebensmittelbereich gezwirnt werden – das Gebäude ist so sachlich-nüchtern wie der dritte Standort im benachbarten Ossingen, wo Kunststoffschnüre produziert werden. Es gab schon Überlegungen, die drei Fabriken zu einer einzigen zu vereinen, «doch es macht im Grunde keinen grossen Unterschied, ob die einzelnen Einheiten 30 oder 3000 Meter auseinanderliegen», sagt Adrian Bächi. Man habe sich mit diesen drei Standorten entwickelt und entsprechend organisiert.
Schnüre werden für die verschiedensten Zwecke gebraucht – Bächi-Cord hat rund 1000 «Rezepturen» bereit. Je nachdem, was zu schnüren ist, braucht man Natur- oder Kunstfasern, leichte oder feste Qualitäten, glatte oder raue Texturen, verschiedene Farben, Dehnbarkeiten und Mengen. Schnüre braucht man für die Umschnürung von Packgut, Palettensicherung, Landwirtschaft, Fleischproduktion, Industrie und Gewerbe, auf dem Bau, im Garten, Schule, Hobby, Haushalt oder zum Spazieren mit dem Hund. Für alle diese Zwecke haben David und Adrian Bächi eine Schnur – bei Bedarf auch etliche Tonnen davon. 1800 Tonnen sind es derzeit pro Jahr, die in über 30 Länder weltweit verkauft werden. 70 Prozent der Produktion werden exportiert.

«Unser Metier ist sehr breit», sagt Adrian Bächi. «Es gibt Artikel, bei denen es nur um den Preis geht, und solche, bei denen die technischen Anforderungen genau stimmen müssen.» So brauchen manche Maschinen Schnüre mit einer bestimmten Dehnung und Friktion. Oder wie Adrian Bächi es sagt: «Es muss ‹wie am Schnürchen› laufen, ohne die Abläufe zu behindern.» Die Gebrüder Bächi sind bemüht, nicht ein möglichst exklusives oder günstiges, sondern ein exakt auf die Bedürfnisse des Kunden abgestimmtes Produkt zu entwickeln. «Wir stellen ein Sorglos-Produkt her», sagen die beiden.

Bei der Bächi-Cord AG wurde in einen innovativen Maschinepark investiert. Im Bild die moderne Produktion synthetischer Schnüre für die Lebensmittelindustrie.
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Die allbekannte Packschnur wird aus Restgarnen produziert. Mit diesem Recyclingprodukt trägt die Firma zur textilen Nachhaltigkeit bei.
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Zuverlässigkeit und Qualität zählen

Natürlich gibt es auf dem Weltmarkt Konkurrenten – kleinere und grössere, billigere und teurere. Aber Bächi-Cord biete den Vorteil der Flexibilität. «Wir können schneller reagieren und uns den Anforderungen des Marktes anpassen», sagt David Bächi. Zwar habe Bächi-Cord einen vergleichsweise teuren Produktionsstandort, doch weil die Schnurproduktion zu grossen Teilen automatisch läuft, fallen die Lohnkosten nicht allzu stark ins Gewicht. Rund 60 Leute beschäftigt die Firma, die meisten aus dem Dorf und der Umgebung. Einen Bonus für Swissness würden sich die Bächis zwar wünschen, doch tatsächlich interessiere das die meisten Kunden nicht. Ein viel wichtigeres Argument als die Herkunft seien Zuverlässigkeit und Qualität.

David Bächi, CEO Bächi-Cord AG

Man kann eine Schnur so schnell nicht durch ein digitales Produkt ersetzen.

Wie für alle Branchen sind auch für die Bächi-Cord AG Digitalisierung und Nachhaltigkeit wichtige Themen der näheren Zukunft. So gehe es in der Lebensmittelindustrie etwa um die Detektierbarkeit von Schnüren, die bei Prozessen eingesetzt werden. In dieser für die Firma wichtigen Branche arbeiten die Gebrüder Bächi eng mit Maschinenherstellern zusammen, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Was die disruptive Kraft der Digitalisierung betrifft, ist David Bächi gelassen. «Natürlich gibt es immer wieder Entwicklungen, die bisherige Produkte hinfällig machen, doch es kommen auch immer wieder neue hinzu. Man kann eine Schnur so schnell nicht durch ein digitales Produkt ersetzen», sagt der Co-Chef. «Zum Glück sind wir breit aufgestellt, um auch überraschenden Marktentwicklungen zu begegnen. So wurden in den 1980er- und 1990er-Jahren im Getränkehandel noch Palettensicherungsschnüre verwendet, doch heute wird alles mit Stretchfolie gewickelt – zumindest bei uns. Denn es gibt Länder und Weltgegenden, wo immer noch Schnüre eingesetzt werden», so David Bächi.

Wer Schnüre produziert, hat – wie Adrian Bächi – immer eine kleine Schere zur Hand, damit jederzeit die Qualität der Produkte geprüft werden kann.
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Nachhaltig, aber mit Augenmass

Was die Nachhaltigkeit der Produktion betrifft, sei man laufend daran, die Dinge zu überprüfen und zu verbessern. Was die Zusammensetzung der Fasern angeht, die bei Bächi-Cord verzwirnt werden, muss man sich aber keine Illusionen machen: Da hat die Synthetik den Naturfasern schon lange den Rang abgelaufen. Zwar werden seit jeher – und heute noch – auch Recyclingfasern eingesetzt, doch seien diese heute, weil Transparenz und Herkunft immer wichtiger werden, teilweise auch ein Problem, da die Zusammensetzung solcher Garne nicht immer zweifelsfrei zurückzuverfolgen ist. «Es ist sicher sinnvoll, Fasern zu rezyklieren, doch es hat auch seine Grenzen», sagt David Bächi.

So sich die Welt auch in 50 Jahren noch dreht, werde man Schnüre brauchen, sind die Gebrüder Bächi überzeugt. Die sechste Generation der Bächis, derzeit noch alle im Teenageralter, sei bereits «im familiären Knäuel verstrickt», also potenziell dazu geeignet, die Erfolgsgeschichte von Bächi-Cord eines Tages weiterzuschreiben, so David und Adrian Bächi. Und auch an Oberneunforn, wo alles begann und bisher gut gedieh, wolle man in Zukunft festhalten: «Wenn es eines Tages nicht mehr möglich sein sollte, das hier an diesem Standort zu machen, dann möchten wir lieber etwas Anderes machen, als die Produktion ins Ausland zu verschieben», sagen die Unternehmer.x

Nach der Qualitätskontrolle werden die Schnüre der Bächi-Cord AG gemäss Bestellung verpackt und an Kunden in alle Welt verschickt.
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Die Firma Bächi-Cord AG in Oberneunforn TG ging aus dem 1982 gegründeten Einzelunternehmen «Bruno Bächi» hervor. Patron Bächi, der sein Handwerk von seinen Vorfahren lernte, errichtete eine Bindfadenproduktion, die bald schon florierte. 1989 und 1995 traten die beiden Söhne David und Adrian Bächi in die Firma ein. 2001 übernahm die Bächi-Cord AG das Sortiment und die Markenartikel der Arova Schaffhausen AG. Die Firma Bächi-Cord AG beschäftigt heute 60 Mitarbeitende, produziert täglich sieben Tonnen Schnüre und liefert diese in rund 30 Länder.

Bächi-Cord AG
Herrengasse 19
8526 Oberneunforn
T: +41 44 744 10 10

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