Mirjam Matti Gähwiler — 13.03.2020

Gleich zwei grosse Themen standen in dieser Frühlingssession aus Sicht der Textilbranche auf der Traktandenliste der eidg. Räte. Die Abschaffung der Industriezölle und die Konzernverantwortungsinitiative. Am Treffen der Parlamentarischen Gruppe für die Textilwirtschaft, das von Swiss Textiles organisiert wurde, wurde heftig über beide Themen debattiert.

«Es sind schwierige Zeiten, das bestreitet wohl niemand», führte Carl Illi zu Beginn des Anlasses aus. Das Thema Coronavirus ist überall. China und Italien gehören zu unseren wichtigsten Handelspartnern. Wir sind negativ betroffen; wie gross die Auswirkungen für die Branche sind, ist noch nicht genau abschätzbar. Für uns ganz zentral ist eine unbürokratische und vereinfachte Bewilligung von Kurzarbeit und Massnahmen zur Verbesserung der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen.

Carl Illi
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Die Medien sind derzeit gefüllt von den Tätigkeiten der multinationalen Unternehmen – aber gerade wir in der Textilbranche bewegen uns als KMU auf der Weltbühne. Deshalb wird auch ein Alleingang immer schwieriger. Globale Probleme müssen global gelöst werden.

Wir brauchen offene Märkte

Carl Illi bekräftige nochmals wie wichtig die Abschaffung von Industriezöllen für die Branche sind. Der freie Handel in der Textil- und Bekleidungsbranche wird durch die höchsten Industriezölle von durchschnittlich 4 bis 5 Prozent behindert. Obwohl die Schweiz mit über 30 Freihandelsabkommen bereits viel tut, fallen allein in unserer Branche beim Import jährlich Zölle von CHF 264 Mio. an. Diese Zölle erhöhen unsere Beschaffungskosten und wirken sich negativ auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Branche aus.

Zum anderen grossen Thema des Abends gehörte die «Verantwortungsvolle Unternehmensführung». «Die Branche hat längst erkannt, dass sie aus Eigeninteresse soziale und ökologische Nachhaltigkeit im Geschäftsalltag etablieren muss», sagte Carl Illi. Viele Firmen sind bereits auf gutem Weg, ob mit Produktion in der Schweiz oder im Ausland. Swiss Textiles lehnt die Konzernverantwortungsinitiative ab und unterstützt einen Gegenvorschlag, der zum Rückzug der Initiative führt.

Adrian Knezovic
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Adrian Knezovic

Schweizer KMU können Treiber einer nachhaltigen Wirtschaft auch im Ausland sein.

Aber was heisst verantwortungsvolle Geschäftsführung in der Praxis wirklich? Adrian Knezovic, in der Geschäftsführung von seiner Familie gegründeten FTC Cashmere gab in einem kurzen Referat einen Einblick in die Philosophie der Firma. Im Unterschied zu anderen Luxusmarken betreibt FTC Cashmere eine eigene Farm und Manufaktur. «Das ist was wir unter unserem Namen Fair Trade Cashmere verstehen: Soziale und ökologische Verantwortung. Wir sehen das als ganzheitlichen Ansatz zur Verbesserung der Lebensbedingungen.» sagte Adrian Knezovic. Das Betreiben einer eigenen Farm ermöglicht der Firma die hohen Standards für Tierwohl wie auch die beste Qualität der Rohware zu garantieren. Mit der eigenen Ziegenfarm unterstützen sie auch die lokalen Bauern. Die ersten Gewinne wurden beispielsweise in eine Schule für die Bauernkinder investiert. Adrian Knezovic betonte, dass Nachhaltigkeit vor allem auch durch Transparenz lebt. Die Industrie müsse es schaffen dem Konsumenten authentisch und nachvollziehbar zeigen zu können, woher ihr Produkt kommt und dass man fair produzieren hat. «Schweizer KMU können Treiber einer nachhaltigen Wirtschaft auch im Ausland sein» ist Adrian Knezovic überzeugt.

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Am Treffen der Parlamentarischen Gurppe für die Textilwirtschaft nahmen rund 50 Personen aus Politik und Wirtschaft teil. Die Gruppe wird Präsidiert von Nationalrätin Regine Sauter.

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