Peter Flückiger — 02.11.2019

An der gestrigen Preisverleihung des Design Preis Schweiz hat sich gezeigt: Nachhaltigkeit ist in unserer Branche kein Schlagwort mehr. In den Kategorien Textil und dem von uns gestifteten Preis für Start-ups wurden gleich zwei Projekte prämiert, die sich mit einer nachhaltigen Gestaltung und Entwicklung auseinandersetzen.

Die glücklichen Preisträger von SwissFlax GmbH
191101 12 Dps 2019 20 Swiss Textiles Prize For Fashion And Textile Start Ups

Die Jury prämierte SwissFlax mit dem folgenden Kommentar: Über Nachhaltigkeit reden heute viele in der Textilwirtschaft. Die Menschen hinter SwissFlax aber haben die Initiative ergriffen, sind mutig zur Tat geschritten und demonstrieren, wie es ganz praktisch funktioniert mit der vielbeschworenen Nachhaltigkeit. Die Idee hinter SwissFlax ist durchdacht und entspricht auf mehreren Ebenen den Forderungen unserer Zeit: nach Regionalität, nach umweltgerechter Landwirtschaft, nach fairer Entlohnung, nach transparenten Lieferketten, nach Naturmaterialien, nach Langlebigkeit und nach Qualitätsprodukten. Man kann dieser Initiative nur weiteren Erfolg und viele Nachahmer wünschen!

Daniel und Markus Freitag überreichten Christian Paul Kaegi von Qwstion den Preis in der Kategorie Textil.
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Die Jury prämierte Qwstion mit dem folgenden Kommentar: Bananatex® ist das Ergebnis eines einzigartigen Projektes, das von Qwstion mit hohem Risiko und viel Engagement vorangetrieben wurde. Der Stoff, der aus einem natürlichen, nachwachsenden Rohstoff entstand, ist innovativ, absolut zeitgemäss und nachhaltig im besten Sinne dieses Begriffs. Seine Produkt-Qualitäten geben Anlass zur Hoffnung, dass Bananatex® bald in grossem Massstab synthetische Stoffe aus der Taschenproduktion verdrängen wird. Abgesehen davon dürfte das Textil auch in anderen Produktgattungen Anwendungen finden. Dass bei der Entwicklung des Textils, bei seiner Herstellung und Weiterverarbeitung nicht allein ökologische, sondern auch soziale Aspekte eine wichtige Rolle spielten – Stichwort fairer Handel –, rundet das positive Gesamtbild ab.

Peter Flückiger, Direktor Swiss Textiles

Wer nicht auf Nachhaltigkeit setzt, der hat verloren.

Unsere Gedanken und Erkenntnisse zu den Nachhaltigkeitsbestrebungen in der Branche haben wir im diesjährigen Katalog des Design Preis Schweiz darlegen dürfen. Hier der ganze Artikel:

Es gibt nichts schönzureden: Die Textil- und Bekleidungsbranche gehört zu den grössten Umweltverschmutzern weltweit. Es beginnt beim Rohstoff, geht über die zahlreichen industriellen Fertigungsschritte, über die langen Wege, die ein Textil zurücklegt, bis es als Bekleidung oder Heimtextil oder als technisches Textil im Endprodukt landet, bis hin zum Konsum im Übermass. In Zeiten von Klimastreik, knapper werdenden Ressourcen und wachsenden Kleiderbergen darf man sich zurecht fragen: Wie kommt eine Branche dazu sich der Nachhaltigkeit zu verschreiben, wenn sie doch eigentlich Teil des Problems ist?

Die Branchenakteure sind sich bewusst, dass es so nicht weitergehen darf. Es hat ein Umdenken stattgefunden, das die ganze Branche durchrüttelt. Nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit. Waren es vor einigen Jahren noch Nischenplayer, sind es heute die grossen Marken und Produktionsbetriebe, die sich zur Aufgabe gemacht haben, die Branche umzukrempeln und in ein neues Zeitalter zu führen.

Nachhaltige Kleider haben den Öko-Mief abgelegt. Nachhaltige Prozesse werden in den Unternehmen aus Eigeninitiative für einen effizienteren Umgang mit Ressourcen und als Profilierungsmerkmal implementiert. Neue Geschäftsmodelle werden realisiert. Wer nicht auf Nachhaltigkeit setzt, der hat verloren. Das ist in der Branche deutlich angekommen. Die Schweizer Textilbranche nutzt ihre Chance, Pionierarbeit zu leisten. Die Sensibilität, die hohen gesetzlichen Anforderungen und die erfolgreiche interdisziplinäre Vernetzung zwischen Forschung und Unternehmen bilden eine optimale Basis. Schweizer Firmen und Forschungsinstitutionen entwickeln ökologische Flammschutzmittel oder fluorfreie, hydrophobe Gewebe; sie forschen an vollständig abbaubaren Fasern; sie verwenden Naturfasern für Kompositwerkstoffe im Leichtbau oder reduzieren Abfall und Lagerhaltung mittels massgeschneiderter Massenproduktion. Design spielt hier eine zentrale Rolle: Die Materialien, die für ein Produkt verwendet werden, bestimmen die Struktur der Lieferkette und die Möglichkeiten des Recyclings. Design ist aber auch entscheidend für die Akzeptanz durch den Kunden.

Design spielt hier eine zentrale Rolle: Die Materialien, die für ein Produkt verwendet werden, bestimmen die Struktur der Lieferkette und die Möglichkeiten des Recyclings.

Megatrend Nachhaltigkeit

Die Bedeutung der Nachhaltigkeit hat auch unsere Arbeit im Verband verandert. Als Verband mussen wir vorausgehen und die Themen, die zukunftsweisend sind, frühzeitig angehen. Wir haben beispielsweise zusammen mit dem Bund sowie den Verbanden Swiss Fairtrade und amfori die Initiative nachhaltiger Textilien Schweiz lanciert. Im Rahmen der Initiative nutzen die Schweizer Akteure der textilen Produktion und des Retails wie auch Designerinnen, NGOs und Forschungsinstitutionen Synergien, um Nachhaltigkeit schneller in die Praxis umzusetzen. Daneben sorgen wir aber auch dafur, dass unsere Unternehmen fachlich kompetent beraten werden und haben unter anderem einen Weiterbildungslehrgang mit iniziiert, der sich explizit dem nachhaltigen Lieferkettenmanagement im Textilsektor widmet. Zudem haben wir Forschungsprojekte gestartet, die sich der Uberproduktion, der Ruckverfolgbarkeit mittels Blockchaintechnologie und Recyclingfasern widmen.

Textilien als Cleantech

Nicht nur in der textilen Herstellung gibt es Chancen. Textilien haben gegenüber anderen Materialien den Vorteil, dass sie aufgrund ihrer Struktur unter anderem eine grosse Oberflache aufweisen. Sie sind leicht, dunn, flexibel, poros, formbar und doch formstabil, weshalb technische Textilien in zahlreichen Bereichen des Umweltschutzes eingesetzt werden. Zu denken ist an Sonnenkollektoren, Schadstofffilter oder Isolationsmaterialien. Der Einsatz beschränkt sich nicht auf eigentliche textile Erzeugnisse, sondern Textil kann in Zukunft auch als Ersatzmaterial für Stahl und Beton in der Architektur eingesetzt werden oder als Leichtbauteile fur die Fahrzeug- und Luftfahrtindustrie etc.

Es braucht ein breites Netzwerk. Innovationen entstehen zunehmend von multidisziplinar aufgestellten Teams. Deshalb haben wir vor drei Jahren die Plattform Kontext gegrundet. Ein Forum zum interdisziplinaren Austausch über neue Entwicklungen. Ich freue mich, dass die Bestrebungen der Schweizer Textilbranche in dieser Edition des Design Preis Schweiz so deutlich zu sehen sind. Innovation ist gepaart mit einer nachhaltigen Entwicklung und Herstellung. Sie wird die Zukunft unserer Branche bestimmen.

Peter Flückiger

Peter Flückiger

Direktor
T: +41 44 289 79 79
peter.flueckiger@swisstextiles.ch

Swiss Textiles unterstützt als Hauptpartner den Design Preis Schweiz, um die hohe Kompetenz unserer Branche im Design zu fördern und gegen aussen sichtbar zu machen. Mehr zum Design Preis Schweiz: http://www.designpreis.ch

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