Mirjam Rombach — 20.05.2020

Fünf-Franken-Shirts sind Nonsense in Sachen Nachhaltigkeit. Das wissen wir alle. Wir wissen auch, dass es anders ginge. Wie sehr anders, zeigen das ETH Spin-off Haelixa, die Designer von Nikin, das Beratungsunternehmen Ecos und die Fairtrade-Pionierin Gebana mit dem Traceable TreeShirt-Projekt.

Textile Lieferketten sind schwer überschaubar – zu lang, zu komplex, zu zahlreich die Akteure. Wer für einmal ganz genau wissen möchte, wer bei der Herstellung seines T-Shirts mitwirkt, bekommt jetzt eine Chance: Von der Baumwollernte in Burkina Faso bis zur Konfektion in Griechenland kann jeder Produktionsschritt des TreeShirts mitverfolgt werden. Und dank der DNA-Markierung des ETH Spin-offs Haelixa lässt sich die Herkunft der Biobaumwolle sogar noch rückverfolgen, wenn die Shirts fertig verpackt auf ihre Auslieferung warten.

Der Anbau von Biobaumwolle ist für die Bauern in Burkina Faso eine wichtige Einnahmequelle.

Bäuerinnen Bukrina Faso Kollektiv

Nikin verwendet für das Traceable TreeShirt die Biobaumwolle einer Bauernkooperative aus Burkina Faso.

Nikin verwendet für das Traceable TreeShirt die Biobaumwolle einer Bauernkooperative aus Burkina Faso.

Baumwolle Burkinafaso Ecos

Ecos als Initiator des Projekts unterstützt den Anbau und Verkauf von Biobaumwolle aus Westafrika.

Ecos als Initiator des Projekts unterstützt den Anbau und Verkauf von Biobaumwolle aus Westafrika.

Einweihung Entkernungsanlage Burkinafaso Ecos

Entkernt wird die Biobaumwolle in einer neuen Anlage direkt vor Ort.

Entkernt wird die Biobaumwolle in einer neuen Anlage direkt vor Ort.

Bio Baumwolle Bäuerin Burkinafaso Somadogoni

Die Mitglieder des Bauernkollektivs sind meist Frauen, die mit dem Anbau von Biobaumwolle den Unterhalt ihrer Familien bestreiten.

Die Mitglieder des Bauernkollektivs sind meist Frauen, die mit dem Anbau von Biobaumwolle den Unterhalt ihrer Familien bestreiten.

«Anfangs war völlig offen, was für ein Projekt wir ins Leben rufen würden», so Robin Gnehm, Mitgründer des Fashion Brands Nikin. «An einem Swiss Textiles-Anlass kamen wir mit Haelixa und Tobias Meier zusammen. Als Projektleiter von Ecos hatte er schon mehrmals Projekte in Burkina Faso umgesetzt und suchte nach Partnern, um Biobaumwolle aus Westafrika promoten zu können.» Start des Projekts war im Herbst 2019. Bei Nikin herrschte Hochbetrieb – das Weihnachtsgeschäft lief an. Die Integration des Shirts in den eigenen Onlineshop erwies sich als aufwendig. Das junge Unternehmen hatte nicht die Ressourcen, neben Logo- und Modellentwicklung auch Verkauf und Vertrieb zu übernehmen. So kam als vierte Partnerin Gebana hinzu. Die Fairtrade-Plattform organisiert den Verkauf durch Crowd-Ordering und federt dadurch das finanzielle Risiko des Projekts ab.

Robin Gnehm, Nikin

Nikin lässt für jedes verkaufte Produkt einen Baum pflanzen.

Woher stammt eigentlich der Name TreeShirt? «Nikin lässt für jedes verkaufte Produkt einen Baum pflanzen. Dafür arbeiten wir mit der Organisation One Tree Planted zusammen. Dasselbe werden wir auch beim TreeShirt tun», so Gnehm. Die Hoodies, Shirts und Sweaters für Nikin lassen Gnehm und Mitgründer Nicholas Hänny bei einem Hersteller in der Türkei produzieren. Die Biobaumwolle dafür beziehen sie direkt vor Ort.

Um den Transportweg für die Baumwolle aus Westafrika zu verkürzen, arbeiten sie nun mit Christos Gramosis von der Firma Pulse of Fashion zusammen. Seine Produktionsstandorte in Nordmazedonien und Griechenland sind GOTS-zertifiziert und erfüllen arbeitsrechtliche und soziale Standards. «Christos Gramosis war sehr offen für dieses Projekt. Wir haben ihn auch persönlich kennengelernt. Das war wichtig für eine gute Zusammenarbeit; wir mussten herausspüren, was möglich ist», so Gnehm. Inzwischen liegen die Samples bereit – die Produktion könnte also starten.

Von Nikin stammen Logo und Design der Traceable TreeShirts:

Traceable Treeshirt Nikin

Die Shirts aus Biobaumwolle sind in verschiedenen Farben und Modellen erhältlich. Foto: Nikin

Die Shirts aus Biobaumwolle sind in verschiedenen Farben und Modellen erhältlich. Foto: Nikin

Nikin Christos Gramosis Treeshirt

Hergestellt werden die TreeShirts von der griechischen Firma Pulse of Fashion. Im Bild: Robin Gnehm und Christos Gramosis.

Hergestellt werden die TreeShirts von der griechischen Firma Pulse of Fashion. Im Bild: Robin Gnehm und Christos Gramosis.

Treeshirt Nikin Haelixa Gebana

Beide Modelle (Women und Unisex) sind sowohl mit als auch ohne aufgesticktes Label erhältlich. Foto: Nikin

Beide Modelle (Women und Unisex) sind sowohl mit als auch ohne aufgesticktes Label erhältlich. Foto: Nikin

Doch ganz so einfach ist es nicht – Slow Fashion braucht eben manchmal tatsächlich mehr Zeit. Einerseits kämpft das Projektteam dafür, zusätzliche Abnehmer für die erforderliche Mindestmenge an Baumwolle zu finden. 2000 T-Shirts machen weniger als eine Tonne Baumwolle aus, die Spinnerei in Griechenland benötigt aber eine Mindestmenge von 100 Tonnen.

Gediminas Mikutis, Haelixa

Es ist nicht immer einfach, Abnehmer zu finden, die in Nachhaltigkeit investieren.

«Die Preise für zertifizierte Biobaumwolle sind um 50 Prozent höher als für konventionelle Baumwolle. Es ist nicht immer einfach, Abnehmer zu finden, die in Nachhaltigkeit investieren. Doch wir hoffen, dass die Bauern-Kooperative ihre Baumwolle verkaufen kann und Corona die Verhandlungen nicht zusammenbrechen lässt», so Gediminas Mikutis. Der Chemiker und Mitgründer von Haelixa organisiert mit seinem Team die Markierung der Baumwolle. Dabei werden die Fasern mit einer eigenen DNA ausgestattet. Diese sogenannten Tracer ermöglichen die Rückverfolgung der Baumwolle über alle Verarbeitungsketten hinweg, von der Plantage bis zum Konsumenten.

«Wegen Covid-19 konnten wir die Markierung der Baumwolle nicht wie geplant in Burkina Faso durchführen. Nun markieren wir sie in Griechenland und kontrollieren den Warenfluss bis dahin durch Dokumentation», so Mikutis. Bei Nikin überlegt man, bald auch die eigene Baumwolle mit Haelixa auszustatten. Gnehm sagt: «Wir arbeiten schon jetzt mit GOTS-zertifizierter Biobaumwolle. Dies mit Haelixa transparent auszuweisen wäre ein schöner Mehrwert für uns.»

Die DNA-Markierung des ETH Spin-offs Haelixa ermöglicht die Rückverfolgung von Rohstoffen vom Anbaufeld bis zum fertigen Produkt.

Haelixa Traceable Cotton

Ist Baumwolle einmal mit den DNA-Tracern von Haelixa behandelt, lässt sie sich über alle Herstellungsstufen hinweg rückverfolgen. Im Bild: Tragbares Analysegerät von Haelixa.

Ist Baumwolle einmal mit den DNA-Tracern von Haelixa behandelt, lässt sie sich über alle Herstellungsstufen hinweg rückverfolgen. Im Bild: Tragbares Analysegerät von Haelixa.

Haelixa Gediminas Mikutis Michela Puddu Eth

Die Chemiker des ETH Spin-offs Haelixa: CEO Michela Puddu und CTO Mikutis Gediminas (von links).

Die Chemiker des ETH Spin-offs Haelixa: CEO Michela Puddu und CTO Mikutis Gediminas (von links).

Haelixa Eth Dna Tracing

Mit dieser DNA-Flüssigkeit können 500 Tonnen Biobaumwolle markiert werden. Foto: Haelixa

Mit dieser DNA-Flüssigkeit können 500 Tonnen Biobaumwolle markiert werden. Foto: Haelixa

Wie geht es nun weiter? Noch fehlen Partner, mit denen gemeinsam die Lieferkette Burkina Faso – Griechenland aufgebaut werden kann. Nur durch diese Zusammenarbeit können Kapazitäten ausgelastet und die Kosten pro Shirt niedrig gehalten werden. Auch Bestellungen stehen noch aus: 1327 TreeShirts müssen bei Gebana noch geordert werden, damit das Projekt zustande kommt. Ausgeliefert werden die Shirts voraussichtlich kurz vor Weihnachten – für uns der beste Zeitpunkt, für Slow Fashion einzustehen.

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