Mirjam Matti Gähwiler — 20.01.2021

Am 21. Januar 2021 stimmte die Mitgliederversammlung in einer ausserordentlichen Generalversammlung den neuen Statuten von Swiss Textiles zu. Damit tritt eine neue Verbandsstruktur in Kraft. Wir sprachen mit Swiss-Textiles-Präsident Carl Illi über die Veränderungen in der Textilbranche und warum der Verband sich neu organisiert.

Carl Illi, ist die Zustimmung durch die Mitglieder nun ein erfolgreicher Abschluss einer langen Strategiediskussion und -erarbeitung?

Nein, im Gegenteil. Ich würde sogar sagen, dass es ein historischer Moment in der Verbandsgeschichte ist. Wir, der Vorstand und die Geschäftsstelle, haben zwar lange auf diesen Moment hin gearbeitet, dennoch beginnt die Reise eigentlich erst jetzt. Mit Inkrafttreten der neuen Statuten tragen wir den Veränderungen der Branche erst jetzt richtig Rechnung und können die Verbandsarbeit noch agiler und schlagkräftiger machen. Und was mir persönlich am Herzen liegt: Wir legen mit der neuen Strategie und Struktur das Fundament für eine zukunftsfähige Branche, die jungen Menschen eine Perspektive gibt.

Sie erwähnen die Veränderungen in der Branche. Welche beobachten Sie am stärksten?

Sicherlich das Tempo. Die Märkte ändern sich rasant. Schneller, flexibler, günstiger. Innovationen, Neuigkeiten, Verbesserungen – man ist ständig unter Druck. Und der Markt verlangt Nachhaltigkeit: sozial, ökologisch und ökonomisch. Das ist eine grosse Chance für die Schweizer Firmen. Wir haben erkannt, dass diese Veränderungen alle unsere Mitglieder gleichermassen betreffen. Um diesen Veränderungen zu begegnen, mussten wir uns neu ausrichten. Unsere bisherige auf einzelne Sparten fokussierte Organisation hat den spartenübergreifenden und interdisziplinären Austausch erschwert, ja teilweise auch verunmöglicht. Dabei ist gerade die vermehrte und engere Zusammenarbeit der Firmen untereinander, aber auch mit der Forschung immer wichtiger geworden.

Unser Credo ist: Gemeinsam schaffen wir mehr als alleine.

Wie sieht denn die Zusammenarbeit und der Austausch der Mitglieder in der neuen Struktur aus?

In den fünf Fachgremien, die wir entlang unserer strategischen Schwerpunkte Wirtschaftspolitik, Fachkräfte, Nachhaltigkeit, Technologie und Design nun schaffen, können alle Mitglieder mitarbeiten, die über besondere Erfahrung, das gefragte Fachwissen oder einfach über das Interesse, die Verbandsarbeit aktiv mitzugestalten, verfügen. Der Einstieg ist jederzeit möglich. In diesen Fachgremien werden die politisch relevanten Themen diskutiert, Positionen erarbeitet und Massnahmen zur Erreichung unserer strategischen Ziele initiiert. Wo früher nur wenige Mitglieder in den Kommissionen mitarbeiten konnten, stehen die Gremien nun allen offen. Und die Gremien werden sich aktiver untereinander austauschen, denn viele Themen sind heute mehrschichtig. Unser Credo ist «Gemeinsam schaffen wir mehr als alleine». Wir sind das Netzwerk der Schweizer Textilbranche. Dieses soll ein lebendiger und aktiver Organismus sein.

Wo sehen Sie die grösste Herausforderung in der Umsetzung der neuen Strategie und Struktur?

Ich bin überzeugt, dass wir ein starkes Fundament mit der neuen inhaltlichen wie auch mit der strukturellen Ausrichtung haben. Die Textilbranche ist breit aufgestellt. Vom Start-up bis zum Traditionsunternehmen, von der Einzelfirma bis zum Grosskonzern. Sie zusammenzubringen wird einen grossen Mehrwert für alle Beteiligten bringen. Ich kann mir aber vorstellen, dass gerade in der momentanen Situation, in der alle in den Firmen sehr gefordert sind, eine gewisse Zurückhaltung besteht, sich in einem Verband mit seiner Zeit zu engagieren. Ich kann aber sagen: es lohnt sich. Die Zusammenarbeit wird effizient und zielorientiert organisiert und der Austausch und das Zusammentreffen mit anderen Branchenkolleginnen und -kollegen ist inspirierend. Auch weil dies coronabedingt lange nicht richtig möglich war, möchte ich viele Mitglieder ermuntern, sich in den Fachgremien zu engagieren und den aktiven Austausch zu pflegen.

Ich möchte viele Mitglieder ermuntern, sich in den Fachgremien zu engagieren und den aktiven Austausch zu pflegen.

Was sind die nächsten Schritte?

Wir gründen nun die neuen Fachgremien und werden Mitte März mit der Arbeit in den Gremien beginnen. Dazu wird es in jedem Gremium eine Auslegeordnung geben: Was ist das strategische Ziel, wie können wir es erreichen, was haben wir bisher gemacht? Was müssen wir weiterführen, was neu angehen? Es ist eine spannende Zeit, die Verbandsarbeit ganz aktiv mitzugestalten und in die Zukunft zu führen. Als Verband werden wir auch neue Netzwerke erschliessen und neue Kontakte mit branchenrelevanten Akteuren suchen. Zudem haben wir heute unseren neuen Verbandsauftritt lanciert. Die Wortmarke Swiss Textiles in Kombination mit den Schlagworten, die die Kompetenz der Schweizer Textilbranche mit ihrem textilen Know-how illustrieren, bekräftigen unseren Wandel. Wir wollen zeigen, dass wir der Zukunft selbstbewusst begegnen. Dass wir fit, agil und schlagkräftig sind.

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