Think Thank

Mit drei Veranstaltungen und zwei digitalen Publikationen pro Jahr bietet Kontext eine Plattform, die saisonspezifische Tendenzen, soziokulturelle Entwicklungen, neueste Technologien sowie Positionen aus der angewandten Forschung vorstellt. Hinter Kontext steht ein interdisziplinäres Team von Expertinnen und Experten aus Design, Gestaltung, Industrie, Medien und Forschung. Das Kontext-Team bringt Impulse und Fachkompetenzen aus verschiedensten Disziplinen zusammen. So entsteht eine Momentaufnahme aus vielfältigen Perspektiven, die fundierte Themenvorschläge generiert und künftigen Ästhetiken eine Spur gibt.

Als Verband der Schweizer Textil- und Bekleidungsfirmen will Swiss Textiles mit Kontext einen neuen Weg im Trend Forecasting gehen. Für unsere Mitglieder ist es elementar, am Puls der Zeit zu sein, um sich immer wieder wandeln zu können. Kontext filtert zeitaktuelles Trendwissen und macht es für Gestalterinnen und Gestalter verfügbar. Unsere Einzigartigkeit liegt im Praxiswissen und in der Expertise, die bei uns zusammenkommen. Wir bringen relevante Persönlichkeiten aus den verschiedensten Bereichen zusammen, die ihr Wissen mit einem breiten Publikum teilen. Wir öffnen Kontext für alle Interessierten. So entsteht ein einzigartiges Netzwerk.

Wir filtern zeitaktuelles Trendwissen, treiben zukunftsrelevante Entwicklungen in Gestaltung und Industrie voran und fördern den Austausch von Designschaffenden und Wirtschaft. Kontext will relevante Themen aufspüren, die den Aufbruch in Neues generieren.

Design

Hinter Kontext steht ein interdisziplinäres Team von Expertinnen und Experten aus Design, Gestaltung, Industrie, Medien und Forschung. Das Kontext-Team bringt Impulse und Fachkompetenzen aus verschiedensten Disziplinen zusammen. So entsteht eine Momentaufnahme aus vielfältigen Perspektiven, die fundierte Themenvorschläge generiert und künftigen Ästhetiken eine Spur gibt.

Die Expertinnen und Experten des Maker-Teams sind international vernetzt und tätig. Sie zeichnen sich durch ihre prägnante eigene Arbeitsweise und langjährige internationale Erfahrung aus. Alle Maker haben mit dem Thema Trend zu tun – die jeweiligen Perspektiven, Herangehensweisen und Methoden jedoch sind sehr unterschiedlich. Genau in dieser Vielfalt liegt die Stärke dieses Think Tanks. In den Maker-Workshops werden aus den eigenen Recherchen, Trendanalysen und Intuitionen übergreifende Themen generiert. Diese bilden die Basis für alle Kontext-Aktivitäten.

Thilo Alex Brunner und Jörg Mettler

DIE INDUSTRIEDESIGNER THILO ALEX BRUNNER UND JÖRG METTLER SIND GRÜNDER VON BRUNNER METTLER CO

Die beiden Industriedesigner Thilo Alex Brunner und Jörg Mettler haben den gleichen Zugang zum Entwurf – präzis, detailgenau, zur Sache und schnörkellos. Der «Sporty Minimalism», mit dem sie ihre Designs beschreiben, wird vielleicht nirgends so gut sichtbar wie im Laufschuh ON. In dessen Sohle garantiert die Cloudtec®-Technologie, dass der Fuss einerseits weich landet und andererseits ein starkes Abstossen begünstigt, also: Komfort plus Geschwindigkeit.

BMCO haben Material reduziert, das Überdekorierte der gängigen, klobigeren Laufschuhe weggelassen. Die Leitfrage war: Was muss bleiben? Es ging aber auch um die Frage: Wie entwirft man eine Ikone? Darüber hinaus gilt: «‹Funktionalität› beginnt für uns mit ‹Fun›.» Das zeigt sich in der Gestaltung der Gleitschirme, Rucksäcke und Packsäcke, die beide für Advance entwerfen, und ebenso in den visuell starken, spielerischen Store Concepts für Swatch, etwa für Sistem51, wo die Produkte in gebauten Settings inszeniert sind. Und ON ist mittlerweile um eine Kleiderkollektion erweitert.

Beide haben Industriedesign studiert und 2010 die gemeinsame Designagentur gegründet. Thilo Alex Brunner, der neben seiner Designtätigkeit einen Master an der ECAL absolviert hat, leitet dort seit 2014 den Masterstudiengang Produktdesign.

Marcel Geser und Thomas Deutschenbaur

MARCEL GESER UND THOMAS DEUTSCHENBAUR SIND DIE GRÜNDER DER FIRMA FÜR PROTOTYPENTWICKLUNG DEVELOPMENT NEVER STOPS

Der Name ist programmatisch: Wenn man Prototypen entwickelt und dabei die maximale Funktionalität ins Zentrum stellt, hört die Weiterentwicklung tatsächlich nie auf. Für DNS ist Funktionalität keine einmal definierte Grösse. Marcel Geser und Thomas Deutschenbaur entwickeln zum Beispiel für einen Kunden die Ausrüstung für drei Extrembergsteiger. Dem einen ist die Geschwindigkeit wichtig, der andere geht allein – «auch wenn der Gipfel der Gleiche ist, sind die Anforderungen an die Ausrüstung ganz andere». So detailliert, nah am Körper, nah an der Situation, arbeiten sie immer.

«Wenn wir den Funktionsauftrag verstanden haben, fangen wir an, am menschlichen Körper den Bewegungsablauf zu studieren.» Beide Gründer haben eine klassische Schneiderlehre gemacht und dieses Wissen um Schnitttechnik trifft auf ihren Adliswiler Maschinenpark: Laserschnitt, Klebetechnologien wie Heisspressen, Taping oder Ultraschallschweissverfahren.

Das Spektrum ihrer Kunden ist gross: DNS entwickelt Sportbekleidung, Fashion und Ski-Outdoor, aber auch Schutzbekleidung für die Medizin, die Polizei und das Schweizer Militär. Das Design wird meist geliefert. Wobei für DNS auch hier «form follows function» gilt: «Wenn das Design die Funktion einschränkt, wird es geändert.»

Anita Michaluszko

Anita Michaluszko arbeitet in Holland als freischaffende Textildesignerin und Colour Consultant. Zu ihren Kunden zählen internationale Sport and Outdoor Brands wie Puma, Atomic, Jack Wolfskin, Saleva, aber auch Modemarken wie American Vintage und Victorias Secret.

Farbe, so beschreibt es Anita Michaluszko, ist nonverbale Kommunikation und spielt eine zentrale Rolle in unserem Alltag. Wie ein Produkt wahrgenommen wird, hängt für sie stark von der Farbgebung ab, und die kann bewusst gewählt werden. Farbe ist wie die Musik im Film. Sie beeinflusst unsere Gefühle, noch bevor es uns aufgefallen ist, dass sie überhaupt da ist. Durch ihre verschiedenen Arbeitsstationen, unter anderem bei O’Neill in Holland als Colour and Graphic Manager, verfügt sie über eine besondere Expertise, die sie nun freischaffend bei unterschiedlichen Aufträgen einsetzt und ständig weiterentwickelt. Als Mitglied von Intercolor profitiert Anita Michaluszko vom Austausch mit den Designschaffenden aus den unterschiedlichsten Mitgliedsländern. Die Inputs, die aus den verschiedenen Kulturkreisen zusammenkommen und gemeinsam reflektiert werden, fliessen in ihre Arbeiten ein. «Der Austausch ist Sauerstoff für neue Entwicklungen.» Für Anita Michaluszko hat Trend Forecasting nicht die Bedeutung eines Orakels. Sie vergleicht die Arbeit mit der eines Journalisten: Themen aufspüren und Informationen sammeln, bevor diese allen anderen aufgefallen sind.

Evelyne Roth

EVELYNE ROTH VERANTWORTET ALS KREATIVE LEITUNG VON KONTEXT DIE TRENDANALYSE

Evelyne Roth hat die Perspektive einer forschenden Modedesignerin. Angewandtes Forecasting heisst für sie, die Trendprognosen konkret auf den Designprozess zu beziehen. So hat sie etwa mit der eigenen Kollektion Portenier Roth eine Produktionsstätte in Thun aufgebaut. Dort war die Frage zentral: Wie lässt sich die Kreativität und die ästhetische Qualität des Designs bis zum Schluss des Produktionsprozesses bewahren?

Für sie als Gestalterin ist der Begriff Trend ambivalent – so, wie er klassischerweise verstanden wird. «Als Gestalterin geht man gegen das, was schon gesehen und diskutiert ist. Es muss ein gewisses Abenteuer dabei sein. Die eigene Arbeit setzt ja einen Wink in die Zukunft.» Zudem: Der kreative Prozess ist nicht vollständig planbar, und die soziokulturellen Faktoren kommen noch dazu. «Geschlossene Trendvorgaben sind für mich deshalb passé. Sie verbleiben zu sehr im Moment.»

Trendrecherche fängt für Evelyne Roth damit an, sehr klar informiert zu sein über Design, Kunst, Film, Musik, Performance. «Die Recherchen grosser Trendmagazine sind Eckpfeiler. Aber das, was mich neugierig macht, sind die eigenen Fundstücke.» Die Ganzheitlichkeit der Entstehung einer Arbeit interessiert sie, das Umfeld, der Gedanke dahinter, die Positionierung, das Verortetsein im Jetzt. Mit diesem Blick filtert sie auch die Trendprognosen. Evelyne Roth ist Dozentin am Institut Mode-Design und am Institut für Ästhetische Praxis der Hochschule für Kunst und Gestaltung FHNW in Basel.

Cécile Feilchenfeldt

CÉCILE FEILCHENFELDT, EXPERIMENTELLE STRICKDESIGNERIN MIT EIGENEM ATELIER IN PARIS, ENTWIRFT FÜR DIE HAUTE COUTURE EBENSO WIE FÜR DIE AUTOINDUSTRIE

Cécile Feilchenfeldt beschreibt ihre Arbeitsweise in drei Begriffen: «experimentell, konzeptuell, visionär». Sie geht in den Dialog mit den Garnen: «Ich lasse die Materialien machen, was sie können.» Cécile Feilchenfeldt lauscht dem Material Eigenschaften ab, die man ihm bisher nicht zugetraut hat. So wird aus einem Nylonfaden ein gespinstig-zartes Gebilde zwischen Fell und Feder.

Die zentrale konzeptuelle Entscheidung ist: «Bei mir kommt alles aus der Strickmaschine.» Dabei sieht man den Entwürfen die Strickmaschine nicht an, sie könnten auch 3D-gedruckt oder lastergecuttet sein. Dieses Spannungsverhältnis interessiert Cécile Feilchenfeldt: zwischen traditionellem Handwerk in der Herstellung und einer Ästhetik, die «fast schon analytisch-medizinisch ist, molekularhaft». Sie arbeitet wie eine Forscherin, versteht die Maschine als Raster, in dem sie arbeitet. Ihre Spezialisierung sieht sie als Vorteil: «Forschung ist Spezialisierung. Genau das ist im Kommen.»

Die Vision ist ein Wurf in die Zeit. «Mich interessieren die Zyklen von: Was brauchen wir, was wollen wir, was trauen wir uns?» Die eigene Trendrecherche betreibt Cécile Feilchenfeldt intuitiv, im «Hacker-Modus», viel im Netz, sehr visuell, kaum über Trendforen. Instagram ist eine wichtige Quelle. Der Kontakt mit der nächsten Generation ist für sie zentral: «Ich will mit Leuten zusammenarbeiten, die heute noch denken, sie seien niemand, die mich aber morgen überholen werden.»

Katrin Kruse

KATRIN KRUSE IST FREIE AUTORIN UND DOZENTIN FÜR THEORIE UND KONZEPT AN DER HOCHSCHULE FÜR KUNST UND GESTALTUNG FHNW BASEL

Lebendiges Denken interessiert sie. Für Katrin Kruse bedeutet das: Konzeptualisierung plus Intuition. Texte, sagt sie, können eine Anleitung zum Sehen sein, weil eine genaue Beschreibung den Blick lenken kann. «Wir sehen oft nur das, was wir benennen können – und wenn wir die Dinge anders benennen, sehen wir sie neu.» Ihre Prämisse ist: Sprache ist performativ, sie stellt etwas her.

Katrin Kruse hat in Berlin Kulturwissenschaften studiert. Sie war Modekolumnistin der taz und Stilredakteurin der NZZ am Sonntag. Sie schreibt über Mode, weil sie der Zeitgeist interessiert: «Mode ist für mich eine Geschichte, die sich eine Zeit über sich selbst erzählt.» Phänomene lassen sich als Symptome gesellschaftlicher Veränderung lesen. Vor allem sind für sie Diskurse wichtig: «In welchen Begriffen sprechen wir über die Dinge, was halten wir für ein gutes Leben?» Es ist das Hin und Her zwischen Überbau und Konkretion, das sie an Trendforschung reizt – Muster, die sich zeigen, die innere Dynamik von Entwicklungen. Sie wäre ungern ohne den Perlentaucher und ohne das Daily Briefing der New York Times.

Katrin Kruse ist freie Autorin, Dozentin für Modetheorie und Konzept am Institut Mode-Design der Hochschule für Kunst und Gestaltung FHNW in Basel und Gastdozentin für Trendforschung an der Zürcher Hochschule der Künste.

Christian Hersche und Melvin Zöller

CHRISTIAN HERSCHE VERANTWORTLICH FÜR DEN BILDBEREICH BEI UNIQLO U, MELVIN ZÖLLER ASSISTANT KNITWEAR UND DESIGNER BEI GERMANIER

Christian Hersche, Jahrgang 1989, und Melvin Zöller, Jahrgang 1992 gehören zu der Generation, von der es gerne heisst, sie finde ihren Gegenwartsbezug nur im Netz. Für beide stimmt das nicht. «Ich suche gerne nach Bildern, die in der Zeit vor dem Internet entstanden sind.» sagt Christian Hersche. In Archiven, in Büchern, in Sammlungen. Für ihn geht es darum, dort zu suchen, wo nicht jeder Zugang hat. Melvin Zöller unterscheidet nicht gerne zwischen digital und analog: «Vieles was wir digital entdecken, ist bereits durch Algorithmen gefiltert worden. Draussen auf der Strasse passiert das nicht.»
Seit 2015 ist Christian Hersche bei Uniqlo. Er verantwortet den gesamten Bildbereich für Uniqlo U, ein Projekt mit Christophe Lemaire. Vor seinem Modedesignstudium am Institut Mode-Design an der FHNW HGK in Basel hat er eine Grafikausbildung gemacht. Über Stationen bei Proenza Schouler, Paco Rabanne, Christian Dior und Raf Simons kam er zu Uniqlo.

Seite 2017 arbeitet Melvin Zöller ebenfalls in Paris, in einem Studio, das die Strickkollektionen für Fiorucci, Ann Demeulemeester, Poiret, Courrèges und Koché entwirft. Daneben arbeitet er als Designer bei Germanier. Während seinem Bachelor-Studium am Institut für Mode-Design FHWN HGK in Basel absolvierte Melvin ein Praktikum bei KENZO in Paris.

Wenn sie entwerfen, gehört das «sich-hinterfragen» dazu. Nicht aus Skepsis, aber aus Neugierde. Sie wollen der Sache auf den Grund gehen, wissen wo der Ursprung ist, was es ästhetisch ansprechend macht und wie es für künftige Tendenzen relevant sein kann.

#kontextswisstextiles

Bildquellen: Christian Hersche, Melvin Zöller