Jasmin Schmid — 01.03.2022

Knappheit und hohe Preise dominierten das vergangene Jahr. Die Erholung der Textil- und Bekleidungsbranche schritt dennoch voran. Die Bekleidungsexporte stiegen um 11.4 Prozent und die Arbeitslosigkeit sank gegenüber Ende 2020 um rund 35 Prozent. Intakt präsentieren sich die Erwartungen für den Frühling. Gleichzeitig sägt die Schweiz am Ast, auf den die Textil- und Bekleidungsbranche angewiesen ist.

Das Geschäftsjahr 2021 stand für die Textil- und Bekleidungsbranche im Zeichen der Erholung von der COVID-19-Krise. Der Genesungsprozess fand dabei unter kniffligen Bedingungen statt. Einerseits aufgrund der nach wie vor eingeschränkten Reise- und Veranstaltungstätigkeit. «Andererseits setzten Lieferverzögerungen und -ausfälle, gefolgt von hohen Transport- und Rohstoffpreisen die Margen der Textil- und Bekleidungsunternehmen unter Druck. Die deutlich spürbaren Kostensteigerungen für eine textile Produktion sind weltweit, ohne Ausnahme, festzustellen. Neben Rohstoffen sind Chemikalien und die Energie betroffen», hält Carl Illi, Präsident Swiss Textiles, fest.

Diesen Schwierigkeiten zum Trotz verbesserte sich gemäss den KOF-Umfragedaten die allgemeine Geschäftslage, der Auftragsbestand bzw. die Nachfrage nach Leistungen der Textil- und Bekleidungsunternehmen, im Verlauf des vergangenen Jahres wieder auf Vorkrisenniveau. Die Kapazitätsauslastung knackte in kleinen Schritten im vierten Quartal endlich die 80-Prozent-Marke. Die Bekleidungsexporte übertrumpften das Vorkrisenniveau von 2019 sogar ganz leicht um 0.8 Prozent und liegen bei 940 Millionen Franken. Gegenüber dem Vorjahr 2020 erreichten sie somit ein Plus von 11.4 Prozent. Diese Entwicklungen wirkten sich günstig auf den Arbeitsmarkt der Branche aus. Sowohl im verarbeitenden Textil- und Bekleidungsgewerbe wie auch im textilen Grosshandel sank die Zahl der Arbeitslosen gegenüber Ende 2020 um rund 35 Prozent.

Es gibt allerdings Anzeichen, dass die Erholung noch nicht ganz abgeschlossen ist. Im Vergleich zur Schweizer Gesamtwirtschaft der KOF-Indikatoren fällt die Textil- und Bekleidungsbranche zum Jahresauftakt 2022 etwas ab. Dies sowohl in der verarbeitenden Industrie wie auch im Grosshandel. Des Weiteren sind die Textilexporte gegenüber dem Krisenjahr 2020 bei 1.16 Milliarden Franken quasi stagniert. Dies entspricht rund 93 Prozent der Textilexporte von 2019. Da geht noch mehr!

Die Erwartungen der Textil- und Bekleidungsunternehmen für das Frühjahr präsentieren sich solid. Die Exportaussichten haben sich etwas aufgehellt, die Erwartungen zu den Verkaufspreisen stabilisieren und diejenigen zu den Bestellungen normalisieren sich. Die Wirtschaft pendelt sich allmählich ein. Viele europäische Länder haben nun auch mit Lockerungen der COVID-19-Massnahmen begonnen.

Künftige wirtschaftspolitische Entwicklungen stimmen zuversichtlich. Die Umsetzung der revidierten Pan-Europa-Mittelmeer-Ursprungsregeln (PEM-Ursprungsregeln) und der Industriezollabbau, der per 1. Januar 2024 in Kraft gesetzt wird, werden in den kommenden Jahren ihre Wirkung entfalten. «Es besteht allerdings das Risiko, dass diese positiven Effekte durch das derzeit zerrüttete Verhältnis zwischen der Schweiz und der EU torpediert werden», gibt Peter Flückiger, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Swiss Textiles, zu bedenken und fügt hinzu: «Unsere auf medizinische Textilien spezialisierten Mitglieder und forschende Firmen bekamen dies bereits zu spüren.» Swiss Textiles fordert daher von Politik und Bundesverwaltung, alles zu unternehmen, um die Erosion der bilateralen Verträge zu stoppen und mehr noch, den gegenseitigen Zugang weiter zu erschliessen.

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Peter Flückiger

Peter Flückiger

Vorsitzender der Geschäftsleitung
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peter.flueckiger@swisstextiles.ch

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