Michael Berger — 05.04.2022

Nicht erst die Pandemie hat gezeigt, dass sich das Arbeitsumfeld rasant verändert. Mobiles Arbeiten, digitale Transformation, nachhaltige Produktionsprozesse, verändertes Konsumbewusstsein, um nur einige der bekannten Faktoren zu nennen, haben und werden einen grossen Einfluss auf die Arbeitskräfte und die Ausgestaltung der Arbeit haben. Auch die demografische Entwicklung beeinflusst den Arbeitsmarkt. Auf Abgänge durch Pensionierungen folgen zu wenig junge Berufsleute nach. Mit der Verschiebung der Generationen ändern sich auch die Wertvorstellungen und Ansprüche.

Um die Mitglieder bestmöglich zu unterstützen, ist es für Swiss Textiles zentral zu wissen, welche Fachkräfte in Zukunft gefragt sind, in welchen Arbeitsbereichen ein erhöhter Bedarf erwartet wird und wie attraktiv die Unternehmen als Arbeitgeber aufgestellt sind. Deshalb hat Swiss Textiles vom 21. Januar bis 4. Februar 2022 eine umfassende Umfrage bei den 224 Mitgliedsunternehmen durchgeführt. Teilgenommen haben 108 Unternehmen, was einem guten Rücklauf von 48 Prozent entspricht. Die Umfrageergebnisse dienen Swiss Textiles als Grundlage für die künftige Ausgestaltung der Aktivitäten im Bereich Fachkräfte.

Gut qualifizierte Fachkräfte

Da ein Abschluss auf Sekundarstufe II (in der Umfrage Grundbildung mit EBA oder EFZ) jeweils die Basis für eine Weiterentwicklung legt und auf Tertiärstufe ein Zuwachs prognostiziert wird, ist es nicht erstaunlich, dass der Bedarf an neuen Fachkräften in der Grundbildung steigen wird. Dies zeigt sich in den Bereichen Supply Chain/Beschaffung, Logistik, Produktion/Herstellung, Technik (Instandhaltung Maschinen und Anlagen) und im kaufmännischen Bereich (Verkauf/Kundendienst und Administration) am deutlichsten. Auf Grundbildungsstufe ist jeweils kein spezielles Expertenwissen erforderlich, was bedeutet, dass diese Bereiche über Grundkenntnisse oder fortgeschrittene Kenntnisse in den unterschiedlichen Bereichen verfügen müssen.

Bei den hochqualifizierten Fachkräften auf den Stufen Höhere Berufsbildung und Hochschule zeigt sich in den Bereichen Forschung/Entwicklung/Prototyping, Beschaffung/Supply Chain, Verkauf/Kundendienst, E-Commerce und Marketing/Kommunikation eine überdurchschnittliche Zunahme an Fachkräften in den nächsten zehn Jahren. Daraus kann geschlossen werden, dass dem Forschungs- und Entwicklungsstandort sowie dem Handel, Vertrieb und der Kommunikation in der Schweiz auch in den kommenden Jahren eine grosse Bedeutung zugemessen wird. Alle erwähnten Bereiche benötigen eine hohe Kompetenz an textilem und Nachhaltigkeits-Fachwissen. Gleichzeitig zeigt die Befragung auch den Bedarf an Kompetenzen in textilfremden Themen, die von den Unternehmen der Textil- und Bekleidungsbranche benötigt werden. Diese Erkenntnisse widerspiegeln auch den evaluierten Haupttrend Technologisierung.

2022 04 05 Haupttrends

Der Aus- und Weiterbildung in den kreativen und den MINT-Berufen wird in Zukunft ein hoher Stellenwert zugeschrieben. Verstärkte Schwerpunkte in textilfremden Bereichen wie z.B. Logistik, E-Commerce, Administration, IT/EDV und auf allen Bildungsstufen müssen gesetzt werden. Aus- und Weiterbildungen im nichtformalen Bereich ermöglichen die Gestaltung individueller Laufbahnen und schaffen Rahmenbedingungen für Quer- und Wiedereinsteigende.

2022 04 05 entwicklung bedarf
2022 04 05 fachwissen

Soft Skills immer wichtiger

Die Umfrage zeigt auf, dass die Fachkräfte auf allen Stufen nebst den fachlichen Kompetenzen auch vermehrt die richtigen Soft Skills mitbringen müssen, um sich auf dem Arbeitsmarkt behaupten zu können. Die Umfrageteilnehmenden gehen davon aus, dass die Bedeutung der Soft Skills stark oder sehr stark zunehmen wird. Die Soft Skills gilt es mit den richtigen Massnahmen im Unternehmen und in der Aus- und Weiterbildung zu verankern und Schwerpunkte zu setzen. Die Soft Skills müssen die zukünftigen Bedürfnisse erfüllen und die Fachkräfte für die Zukunft fit machen.

2022 04 05 softskills

Attraktive Arbeitgeber sind gefragt

Die Unternehmen bewerten Lohn und Versicherungen, die Unternehmenskultur, die Mitwirkung der Mitarbeitenden, die soziale Verantwortung und die Teilzeitarbeit, Jahresarbeitszeit als die top Faktoren, die einen attraktiven Arbeitgeber ausmachen. Betrachtet man verschiedene Umfragen, die bei (zukünftigen) Fachkräften durchgeführt wurden, so zeigt sich, dass arbeitskulturelle Aspekte eine wichtige Rolle und somit ein entscheidender Faktor darstellen, um die Fachkräfte zu rekrutieren, respektive im Unternehmen zu halten. So geben Fachkräfte an, dass besonders eine angenehme Arbeitsatmosphäre, ein attraktives Gehalt, die Arbeitsplatzsicherheit, flexible Arbeitsformen und die Work-Life-Balance, die auch eines der evaluierten Haupttrends ist, eine zentrale Rolle dabei spielen, ob ein Unternehmen als (zukünftiger) Arbeitgeber in Frage kommt oder nicht. Diese Voraussetzungen sind in den Unternehmen von Swiss Textiles laut Umfrage bereits vorhanden und die Unternehmen stufen sich als attraktive Arbeitgeber ein. Werden die Unternehmen nach ihren Werten gefragt, die sich positiv auf die Arbeitgeberattraktivität auswirken, so werden das familiäre Umfeld und der Teamspirit, die Innovation, die Nachhaltigkeit, aber auch die spannenden Produkte und die Firmenkultur positiv hervorgehoben.

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Michael Berger

Michael Berger

Berufsentwicklung, Fachkräfte, Mitglied der Geschäftsleitung
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