Andreas Fehr ist zu Gast in der aktuellen Folge des Biodiversität-Podcasts supergut der Hilti Foundation. Dort spricht der Mitgründer der nachhaltigen Zürcher Modefirma Neumühle über Zirkularität als Design-Grundsatz und über die Vermarktung von Mono-Shirts, die nicht selbsterklärend sind.
(CONNECT) Was unterscheidet ein weisses T-Shirt von einem weissen T-Shirt? Diese Frage hat Neumühle-Mitgründer Andreas Fehr in der neuesten Folge von «supergut» gestellt. Einer Podcast-Reihe der Liechtensteiner Hilti Foundation zum Thema Biodiversität. Man sehe den Produkten der nachhaltigen Modefirma nicht an, dass sie vollständig rezykliert werden können, ergänzte Fehr.
Ein Mono-Shirt muss, wie der Name andeutet – nicht aufgetrennt werden, wenn das Material wiederverwendet werden soll. Es kommt ohne Elastan und Polyestergarn aus. Das funktioniere nur, wenn Produkte von Anfang an zirkulär gedacht und designt würden, betont Fehr. Die Besonderheit kam 2023 nach einem von Innosuisse geförderten Entwicklungsprozess auf den Markt.
Abgetragene Shirts können Kundinnen und Kunden retournieren. Säntis Textiles rezykliert sie ohne Chemie und Wasser und verarbeitet sie zu neuem Garn. Für die Rückgabe erhält die Kundschaft einen Rabatt von 20 Prozent auf den nächsten Einkauf: «Da ein Narrativ zu finden, mit dem man bei einer Zielgruppe klar durchstechen kann, das ist enorm schwierig», sagt Fehr.
Ein Kleidungsstück von Neumühle könne mit seinem zurückhaltenden Design und seiner klaren Formsprache auch für sich stehen. «Es soll ein Alltagsprodukt sein, das Endkonsumierende gern tragen würden», so Fehr. «Und die müssen nicht mehr daran erinnert werden, was es genau beinhaltet, sondern das sollte eigentlich der Standard sein.» Wer sich dennoch dafür interessiere, finde zahlreiche Informationen auf der Internetseite des Online-Shops oder im Zürcher Geschäft.
Breiten Raum nimmt im Podcast Fehrs Motivation für den Weg ein, den er mit Neumühle geht. Die Schweiz sei zwar Weltmeister im Rezyklieren, sagt er, aber auch Weltmeister im Müll produzieren. Er wolle dazu beitragen, dass sich das ändere. Dabei störe ihn bei Wegwerfmode neben ihrer Recycling-Unfähigkeit auch der soziale Aspekt von Spottpreisen: «Die Konsumierenden zahlen einen Preis X, aber jemand muss die Kosten zahlen, die nicht einkalkuliert sind. Und das sind dann die Näherin oder der Näher und die Umwelt.»
Wenn die Wertebasis bezüglich der sozialen oder ökologischen Nachhaltigkeit nicht übereinstimmt, lehnt das Neumühle-Team auch «marketingtechnisch sehr, sehr spannende und sogar internationale» Kooperationsanfragen ab, berichtet Fehr. «Aber als wir mit den Heads of Design zusammengesessen sind, konnten wir hoffentlich bei denen was anstossen für mehr Nachhaltigkeit in deren Betrieb.»
ce/mm, az
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