Björn Von der Crone / AZ — 24.08.2026

Auch das erste Halbjahr 2026 bringt der Schweizer Textil- und Bekleidungsbranche noch nicht den erhofften Befreiungsschlag. Die Schweizer Gesamtwirtschaft erholt sich allmählich, derweil bleibt die Lage in der Textil- und Bekleidungsbranche mit wenigen Ausnahmen durchzogen. Zusätzlich treiben der Irankrieg und die Blockade der Strasse von Hormuz die Preise für Rohmaterialien in die Höhe.

Während sich die Schweizer Gesamtwirtschaft zaghaft aufwärts bewegt, macht unsere Branche einen Taucher. Erschwerend kommen die höheren Kosten hinzu: Wegen des Irankriegs und der Blockade der Strasse von Hormuz erholen sich die Preise für Rohmaterialien nur langsam vom Höchststand diesen Frühling. So liegt das Preisniveau für die in der Branche entscheidenden Materialien wie Polyester oder Baumwolle weiterhin überdurchschnittlich hoch.

Die Lage hält das internationale Geschäft dabei besonders auf Trab: Speziell die verarbeitende Industrie erreichen klar tiefere Nachfragen aus dem Ausland. Dies gilt sowohl für die vergangenen als auch die kommenden Monate.

Verarbeitende Industrie – neues Rekordtief

Zwar bezeichnet die Mehrheit in der Textilindustrie die momentane Geschäftslage als neutral, zieht sie weitere Faktoren hinzu, verändert sich das Bild jedoch: Der Bestelleingang liegt im Vergleich zum Vormonat tiefer und der Auftragsbestand aus dem Ausland schwächelt ebenso. So liegt die durchschnittliche Auslastung mit knapp 74 Prozent um acht Prozent tiefer als bei der Gesamtindustrie. Damit erreicht sie einen neuen Tiefpunkt.

Grosshandel

Der textile Grosshandel hat im Vergleich zum Vorjahr zugelegt. Der Positivtrend vom Jahresstart ist inzwischen aber einer Seitwärtsbewegung auf tiefem Niveau gewichen. Die Mehrheit der befragten Unternehmen ist nach wie vor unzufrieden mit der Geschäftslage.

Detailhandel – leicht belebt

Einzig der Detailhandel Bekleidung hat seine Erholungsphase fortgesetzt. Nach einem Einbruch im späten Frühling liegt die Geschäftslage seit mehreren Jahren erstmals wieder im leichten Plus. Solange aber die Auswirkungen des heissen Sommers auf die Nachfrage noch ungewiss sind, gilt es jedwede frohe Kunde mit Vorsicht zu geniessen.

Geschaeftslage Sommer 2026

Die Geschäftslage stellt den konjunkturellen Gesamtzustand des Unternehmens dar. Die Testteilnehmenden beantworten die Frage: «Wir beurteilen die Geschäftslage zurzeit insgesamt als gut, befriedigend, schlecht.»

Die nachfolgend erwähnten Erwartungen der Unternehmen basieren auf verschiedenen Fragestellungen zur erwarteten Geschäftslage, Auftragslage oder Umsätzen in den kommenden drei bis sechs Monaten.

Auch hier gibt es drei Antwortmöglichkeiten («besser», «neutral» und «schlechter»). Aufgrund der leicht variierenden Fragestellungen zwischen den Sektoren ist ein direkter Vergleich zwischen den Sektoren teilweise ungenau. Die Grafik zeigt jedoch die Tendenzen in den kommenden Monaten, welche bei einer Einschätzung helfen.

Für die zwei Indikatoren wird der saisonbereinigte Saldo aus positiven und negativen Antworten ausgewiesen. Dieser gibt die Tendenz der Entwicklung wieder. In der Praxis zeigen die Saldi eine hohe Korrelation mit den tatsächlichen Wachstumsraten der Realindikatoren. Die Angaben der positiven und negativen Antworten (Prozentzahlen im Text) sind nicht saisonbereinigt (Quelle: KOF ETHZ).

Importe und Exporte nach Wirtschaftsraum Sommer 2026
Exporte und Importe nach Warengruppen Sommer 2026

Aussenhandel – einzelne Märkte im Fokus

Der Aussenhandel hat auch im vergangenen Quartal mehrheitlich Federn lassen müssen. Einzig die Bekleidungsimporte sind um gut zwei Prozent geklettert. Dagegen wurden Bekleidung und Textilien teils deutlich weniger ins Ausland verkauft.

Vor allem im asiatische Raum schwand die Nachfrage nach Textilien. Allein bei der wichtigsten Abnehmerin, der Volksrepublik China, betrug der Rückgang fast 30 Prozent.

Gewebe grosses Sorgenkind

Einen Lichtblick gibt es im europäischen Markt: Deutschland ist der wichtigste Abnehmer im Textilbereich und hat erstmals seit mehreren Quartalen wieder mehr nach Textilien nachgefragt. Eine hoffnungsvolle Trendwende, auch wenn die EU gesamthaft eher schwächelt.

Unter den Warengruppen bleiben Gewebe das grosse Sorgenkind, denn sie haben gegenüber dem Vorjahr um einen Drittel abgenommen und verzeichnen damit den stärksten Rückgang. Auf der Importseite gewannen die technischen Textilien um gut fünf Prozent.

Bei den von den Rückwaren bereinigten Bekleidungsexporten gibt es seit dem Jahreswechsel starkes Wachstum. Dieses ist darauf zurückzuführen, dass speziell im Handel mit Deutschland weniger Rückwaren verzeichnet wurden. Hintergrund ist eine Systemumstellung bei der Zollanmeldung, welche dazu führt, dass verschiedene Anmeldungen fehlerhaft durchgeführt wurden. Dies Situation sollte sich in den kommenden Monaten stabilisieren. Vergleiche zu Vorjahresdaten sind aber nur bedingt möglich.

Lage Arbeitsmarkt Sommer 2026

Lage auf dem Arbeitsmarkt

Die Arbeitslosenquote in der verarbeitenden Industrie sank nach einem Anstieg im Vorjahr wieder auf 3,1 Prozent.

Der textile Grosshandel blieb im Vergleich zum Vorjahr stabil. Auch in den kommenden Monaten wird mit gleichbleibender Beschäftigung gerechnet.

Erwartete Entwicklung kommende Monate Saldo Sommer 2026

Ausblick und Erwartungen

Die Wolken am Horizont der kommenden Monate dürften etwas dahinziehen. Sowohl die Schweizer Gesamtwirtschaft, der textile Grosshandel als auch der Detailhandel Bekleidung rechnen mit verbesserten Entwicklungen. Gerade bei Letzterem gilt allerdings Zurückhaltung, wie die schwankenden Monate der Vergangenheit gezeigt haben.

Produktion und Nachfrage machen zu schaffen

Regelrecht trübe blickt die verarbeitende Textilindustrie auf die folgenden Monate. Sie geht von einer schlechten Produktion und einem schlechten Einkauf aus, besonders was die Exporte betrifft. Die sinkende Nachfrage sehen die befragten Unternehmen denn auch als Hauptgrund für die miesen Aussichten.

Zusammenarbeit muss gestärkt werden

Seit mehreren Quartalen kämpfen die Unternehmen mit der schwierigen Wirtschaftslage, die sich in der tiefen Nachfrage widerspiegelt. Während sich positive Entwicklungen wieder bemerkbar machen wie etwa die langsam wachsende Nachfrage aus Deutschland, bleibt die Lage herausfordernd. Aus diesem Grund müssen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Schweiz und EU wieder verbessert werden.

Zurück zur Sachpolitik

Alleingänge, wie sich momentan bei der EU-Verpackungsverordnung oder der Schweizer Europapolitik beobachten lassen, schaden der Wirtschaft. Die politischen Entscheidungsträgerinnen und -träger sollen sich jetzt auf Sachpolitik besinnen. Etwa, indem sie das Freihandelsabkommen mit Mercosur unterstützen, welches momentan durch Einzelinteressen im Parlament blockiert wird, oder indem sie – wie jüngst geschehen – das Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und China modernisieren.

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