SP-Ständerätin Flavia Wasserfallen, SVP-Nationalrat Ernst Wandfluh und Mitte-Nationalrat Pius Kaufmann blickten am Mittwoch bei Jakob Rope Systems hinter die Kulissen. Von Trubschachen aus ist das KMU weltweit tätig. Der Besuch zeigte: Damit Schweizer Seilhandwerk, technische Innovation und Kreislaufwirtschaft erfolgreich bleiben, braucht es verlässliche politische Rahmenbedingungen.
Brücken zu bauen und zu sichern, gehört zum Kerngeschäft von Jakob Rope Systems. Beim Besuch von SP-Ständerätin Flavia Wasserfallen und SVP-Nationalrat Ernst Wandfluh – beide aus dem Kanton Bern – sowie von Mitte-Nationalrat Pius Kaufmann aus dem Kanton Luzern am Mittwochmorgen schlug das Swiss Textiles-Mitglied aus Trubschachen auch eine Brücke zur Politik.
Gemeinsam mit Swiss Textiles lud das Unternehmen die drei Parlamentarierinnen und Parlamentarier ins Emmental ein, um einen Blick in den industriellen KMU-Alltag zu werfen: die Herstellung von Stahl- und Faserseilen und textilen Netzen sowie die Konfektionierung von Seil- und Hebetechnik inklusive Architekturseilen.
Die Firma wurde 1904 gegründet und wuchs zu einem global tätigen KMU heran, das inzwischen einen zweiten Standort in Saigon, Vietnam, eröffnet hat. Es exportiert in über 50 Länder und beschäftigt insgesamt 725 Personen: «Heute sind wir mit unserem Standort Trubschachen im Emmental ein internationaler Hersteller und Anbieter von Seilen und Edelstahlnetzen sowie eines grossen Sortiments im Bereich der Seil- und Hebetechnik», ist auf der Webseite zu lesen.
In geopolitisch unsicheren Zeiten gewinnen stabile Handelsbeziehungen weiter an Bedeutung. Für die Schweizer Textil- und Bekleidungsbranche steht dabei die EU im Zentrum.
Um wettbewerbsfähig zu bleiben, geht es aber nicht ohne passende Rahmenbedingungen. Der Besuch bot deshalb auch Gelegenheit, zentrale Anliegen der Schweizer Textil- und Bekleidungsbranche direkt mit Vertreterinnen und Vertretern der Politik zu besprechen.
In geopolitisch unsicheren Zeiten gewinnen stabile Handelsbeziehungen weiter an Bedeutung. Für die Schweizer Textil- und Bekleidungsbranche steht dabei die EU im Zentrum: Sie ist die mit Abstand wichtigste Handelspartnerin der Branche. Swiss Textiles setzt sich deshalb für stabile Beziehungen zur EU und für das Vertragspaket der Bilateralen III ein. Mehr dazu in unserem Dossier.
Vor diesem Hintergrund lehnt der Branchenverband die «Chaosinitiative» ab, über die die Schweiz am 14. Juni 2026 abstimmt. Aus Sicht von Swiss Textiles gefährdet sie die Beziehungen zur EU und damit auch die Planungssicherheit international ausgerichteter Unternehmen.
Auch Freihandelsabkommen mit weiteren Märkten sind für die exportorientierte Schweizer Wirtschaft entscheidend. Dazu gehört das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) und den Mercosur-Ländern. Der Bundesrat hat die Botschaft dazu im Februar 2026 verabschiedet. In dieser Sommer- und Herbstsession sollen die beiden Räte das Abkommen voraussichtlich behandeln. Zu den Details.
Ein weiterer wichtiger Markt ist Vietnam. Die Verhandlungen zwischen den EFTA-Staaten und Vietnam laufen seit mehreren Jahren. Im April meldete die Gemeinschaft deutliche Fortschritte.
Für die Textil- und Bekleidungsbranche ist das asiatische Land als Produktions- und Beschaffungsstandort relevant. Laut EFTA belief sich das Handelsvolumen zwischen ihnen und Vietnam 2025 auf 4,8 Milliarden Euro. Zu den wichtigsten Importgütern aus Vietnam zählen unter anderem Fussbekleidung und Bekleidung.
Für Jakob ist Vietnam zentral: Das Unternehmen produziert dort seit 2003. Am Standort Saigon entstehen unter anderem Edelstahlnetze, Rahmen sowie Dreh- und Frästeile.
Ich bin sehr beeindruckt davon, wie innovativ die Jakob AG ist und wie gut die Zusammenarbeit zwischen Vietnam und Trubschachen funktioniert.
Ausserdem stellte Swiss Textiles das Branchenprojekt Fabric Loop vor. Die Initiative baut eine freiwillige Branchenlösung für die Textil-Kreislaufwirtschaft in der Schweiz auf. Finanziert werden soll sie über einen vorgezogenen Recycling- beziehungsweise Kreislaufbeitrag.
Damit eine solche Lösung breit wirkt, braucht es gleiche Regeln für alle Marktteilnehmerinnen und Marktteilnehmer – auch für ausländische Online-Plattformen. Dafür ist die Branche auf einen passenden gesetzlichen Rahmen angewiesen. Auch hier zeigt sich: Wer Kreisläufe schliessen will, muss zuerst die richtigen Verbindungen schaffen – zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.
Nach dem Rundgang zeigte sich Mitte-Nationalrat Pius Kaufmann fasziniert: «Ich bin sehr beeindruckt davon, wie innovativ die Jakob AG ist und wie gut die Zusammenarbeit zwischen Vietnam und Trubschachen funktioniert».
Für einmal standen in Trubschachen nicht nur Seile, Netze und Brücken im Mittelpunkt, sondern auch die politischen Verbindungen, die international tätige KMU brauchen. Der Besuch zeigte: Gute Rahmenbedingungen entstehen nicht von selbst – sie müssen gepflegt, gesichert und immer wieder neu geknüpft werden.
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