mm — 23.03.2026

Zürich, 23. März– Das heutige System der Textilsammlung in der Schweiz stösst an strukturelle Grenzen. Mit einer Motion will Nationalrätin Regine Sauter die gesetzlichen Voraussetzungen schaffen, damit eine privatwirtschaftliche Branchenlösung für das Textilrecycling aufgebaut werden kann – analog zum erfolgreichen System bei PET. Eine solche Lösung würde nicht nur ökologische Probleme adressieren, sondern auch Innovation sowie Wertschöpfung in der Schweiz stärken und wäre so einem rein staatlichen Sammelkonzept klar überlegen.

Heute werden in der Schweiz jährlich rund 60’000 Tonnen Altkleider gesammelt, während schätzungsweise weitere 40’000 Tonnen im Abfall landen. Das bestehende System basiert vor allem auf Sammlung und Weiterverkauf von Secondhand-Ware. Doch steigende Mengen und sinkende Materialqualität – etwa durch Mischgewebe und Fast Fashion – bringen dieses Modell zunehmend an seine Grenzen. Immer mehr Textilien lassen sich weder wirtschaftlich weiterverkaufen noch hochwertig verwerten, was auch ökologisch problematisch ist.

«Das heutige System der Altkleiderverwertung stösst an seine Grenzen und es ist nicht nachhaltig. Mit der Motion wollen wir die Voraussetzungen schaffen, damit textile Materialien künftig systematisch in den Kreislauf zurückgeführt werden können», sagt Regine Sauter, Nationalrätin (FDP/ZH). Eine Branchenlösung würde es ermöglichen, textile Materialien gezielter als Rohstoffe zu nutzen, Innovationen im Recycling voranzutreiben und neue Wertschöpfung sowie technologische Kompetenz in der Schweiz aufzubauen. Die von Nationalrätin Regine Sauter in der Frühlingssession eingereichte Motion wurde von Ratsmitgliedern aus allen Fraktionen mitunterzeichnet.

Branche will Verantwortung übernehmen

Die Schweizer Textilbranche arbeitet bereits am Aufbau einer Lösung. Mit der Branchenorganisation Fabric Loop entwickeln Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette ein System zur Sammlung, Sortierung und hochwertigen Verwertung von Textilien. «Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft für Textilien braucht Branchenkompetenz. Die Textilbranche bringt dieses Know-how mit – von der Materialentwicklung bis zur Wiederverwertung. Damit eine solche Lösung umgesetzt werden kann, braucht es jedoch klare gesetzliche Rahmenbedingungen», sagt Nina Bachmann, Mitglied der Geschäftsleitung von Swiss Textiles.

Fairer Wettbewerb für alle Anbieter

Ein funktionierendes Kreislauf-System kann nur entstehen, wenn alle Marktteilnehmende eingebunden werden. Rund 30 Prozent der in der Schweiz verkauften Textilien stammen von internationalen Onlineplattformen wie Zalando, Temu oder Shein. «Ein Kreislauf-System kann nur funktionieren, wenn alle Verursacher beteiligt sind. Ohne klare Regeln besteht die Gefahr, dass vor allem Schweizer Unternehmen den Aufbau und die Finanzierung des Systems tragen, während internationale Anbieter nicht eingebunden sind. Darum braucht es Rahmenbedingungen, die gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle schaffen», sagt Simone Alabor, Geschäftsführerin von Fabric Loop.

Sammelorganisationen warnen vor Kollaps

Auch Sammelorganisationen beobachten, dass das bestehende System an Grenzen stösst. «Wir kommen mit Sammeln und Verwerten teilweise kaum mehr hinterher. Die Mengen steigen, während ein wachsender Anteil der Textilien kaum mehr vermarktbar ist», sagt Sascha Sardella, Betriebsleiter von Tell-Tex. Ohne strukturelle Anpassungen droht das heutige Sammelsystem mittelfristig zu kollabieren. Eine branchengetragene Lösung könne helfen, neue Verwertungswege aufzubauen und das System langfristig zu stabilisieren.

Die Branchenlösung soll schrittweise aufgebaut werden und langfristig dazu beitragen, Textilien verstärkt als Rohstoffe für neue Produkte zu nutzen. Ohne solche Lösungen droht die Schweiz im Bereich Textilrecycling gegenüber der EU technologisch und innovativ ins Hintertreffen zu geraten.

Nina Bachmann

Nina Bachmann

Nachhaltigkeit, Technologie, Mitglied der Geschäftsleitung
T: +41 44 289 79 02
nina.bachmann@swisstextiles.ch

Mirjam Matti Gähwiler

Mirjam Matti Gähwiler

Mitglied der Geschäftsleitung, Leitung Kommunikation
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mirjam.matti@swisstextiles.ch

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