Der vierte «Brennpunkt» von Swiss Textiles vergangene Woche zeigte, wie stark die Textile Strategy der EU die Schweizer Textil- und Bekleidungsbranche beschäftigt: Zwischen Anspruch und Umsetzbarkeit stellen sich für viele Unternehmen drängende Fragen.
Diese Kurswechsel erschweren es den Unternehmen, den Überblick zu behalten.
Mit ihrer Nachhaltigkeitsstrategie wollte die EU die Wirtschaft mit insgesamt 16 Regulierungen auf einen grüneren Kurs bringen. Davon ist auch die Schweizer Textil- und Bekleidungsbranche betroffen, denn die EU ist ihre wichtigste Handelspartnerin.
Doch statt Klarheit herrscht vielerorts Unsicherheit: Während einzelne Vorgaben bereits gelten, wurden andere abgeschwächt, vertagt oder sind in ihrer Umsetzung noch offen. Zu viel Bürokratie und Gefahr für den Wettbewerb, so die Begründung der Mitgliedstaaten. Diese Kurswechsel erschweren es den Unternehmen, den Überblick zu behalten.
Vor diesem Hintergrund lud Swiss Textiles seine Mitglieder vergangenen Donnerstag zur Diskussionsreihe «Brennpunkt» in die Geschäftsstelle ein. In vertraulichem Rahmen diskutierten die Anwesenden und tauschten Einschätzungen, Erfahrungen sowie Zweifel offen aus. Über allem standen die Fragen: Was von den EU-Vorgaben bleibt tatsächlich und was bedeuten sie für die Branche in der Praxis?
Die Nachhaltigkeitsstrategie der EU bewegt die Gemüter.
In der emotionalen Diskussion zeigte sich ein gemischtes Bild – denn so viel war klar: Die Nachhaltigkeitsstrategie der EU bewegt die Gemüter. Ein Teil der Teilnehmenden stellte den Nutzen der Regulierungen grundsätzlich infrage. Kritisiert wurden vor allem der hohe administrative Aufwand, die wachsende Bürokratie und der Umstand, dass viele Anforderungen entlang der Lieferkette nur schwer umsetzbar seien. Ein Bremsklotz für die Innovation im Unternehmen.
Gerade die häufigen Anpassungen und Verzögerungen verstärkten die Verunsicherung zusätzlich. Beste Beispiele dafür: Das Hin und Her mit der Omnibus‑Regulierung zur Nachhaltigkeitsberichterstattung und Lieferkettensorgfalt sowie der «Stop‑the‑clock»‑Vorstoss.
Mehr übers Thema erfahren? Hier gehts zur Einführung: Hat die EU bei ihrer Textilstrategie den Faden verloren? - Swiss Textiles
Regulierungen könnten Unternehmen Orientierung geben, Verantwortung einfordern und zu mehr Fairness im Markt beitragen, wenn für alle dieselben Regeln gelten.
Andere hingegen konnten dem Vorhaben durchaus etwas Positives abgewinnen. Regulierungen gäben Unternehmen Orientierung, forderten Verantwortung ein und und trägen zu mehr Fairness im Markt bei, wenn für alle dieselben Regeln gelten. Auch wurde darauf hingewiesen, dass der Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit ohne politischen Druck bislang oft zu langsam verlaufen sei.
So unterschiedlich die Positionen auch waren, der vierte «Brennpunkt» machte eines deutlich: Die Branche will ihren Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten, ist dafür aber auf klare, praktikable und verlässliche Vorgaben angewiesen. Der Austausch zeigte, wie wichtig es gerade jetzt ist, Erfahrungen zu teilen, Unsicherheiten offen anzusprechen und die weiteren Entwicklungen gemeinsam einzuordnen.
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