Café Europe — 06.10.2026

St.Gallen - Ein Team der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) hat ein Material entwickelt, das bei Bestrahlung mit Licht Wirkstoffe freisetzt. Als Bestandteil von Pflastern könnte dieses System eine kontrollierte Wunddesinfektion ermöglichen.
Diverse Tests im Labor haben gezeigt, dass das System der lichtgesteuerten Wirkstoffabgabe funktioniert. Bevor es als medizinisches Produkt eine Zulassung erhält, muss es auf den klinischen Bedarf angepasst werden und mehrere Phasen von klinischen Studien durchlaufen. Bild: Empa
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(CONNECT) Ein Team der Empa-Abteilung Biomimetic Membranes and Textiles hat womöglich die Grundlagen für eine neuartige Behandlung chronischer Wunden geschaffen. Die Forschenden des St.Galler Labors haben ein Material entwickelt, das unter Lichteinstrahlung kontrolliert Wirkstoffe abgibt. Dadurch könnte es die Wirksamkeit der Behandlung verbessern und ihre Nebenwirkungen reduzieren, heisst es in einer Mitteilung.

Dafür haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Siliziumdioxid-Nanopartikel mit dem gängigen Wunddesinfektionsmittel Chlorhexidin beladen. Anschliessend beschichteten sie diese mit einem Polymermantel, der mit speziellen molekularen Fotoschaltern versetzt ist. Sie lassen sich mit sichtbarem LED-Licht an- und ausschalten. „Eingebaut in ein Pflaster ermöglicht dieses System eine kontrollierte Wunddesinfektion“, wird Gruppenleiter Dr. Luciano Boesel zitiert. „Der Zeitpunkt und die Dosis des freigesetzten Wirkstoffs lassen sich steuern, indem man die Dauer oder Intensität der Bestrahlung und die Wellenlänge des Lichts variiert.“

In einem nächsten Schritt könnte sich Boesel vorstellen, dieses System der lichtgesteuerten Wirkstoffabgabe mit einem Wundsensor zu kombinieren, der laufend die Anzahl und Art der Bakterien bestimmt, die in der Wunde vorhanden sind. Denn die Siliziumdioxid-Nanopartikel lassen sich nicht nur mit einem Wunddesinfektionsmittel aufladen, sondern auch mit anderen therapeutischen Wirkstoffen. Und der Polymermantel kann mit unterschiedlichen Fotoschaltern ausgestattet werden. „Das wäre ein wichtiger Schritt in Richtung einer personalisierten Wundbehandlung“, so Boesel.

Derzeit ist er auf der Suche nach Doktorierenden, die das System in ihrer Doktorarbeit weiterentwickeln könnten. Danach wird es mehrere Phasen von klinischen Studien durchlaufen müssen, ehe es als Teil eines medizinischen Produkts zugelassen werden könnte. ce/mm