Adriana Zilic — 09.05.2023

Zu Besuch beim Luzerner Hersteller für Luxusteppich Kramis Teppich Design AG. Swiss Textiles blickt mit Marketingchef Tim Kramis hinter die Kulissen und spricht mit ihm über erfolgreiches Social-Media, die Leidenschaft fürs Tufting und einen britischen Stargitarristen als Auftraggeber.

Anfang Jahr besuchte Swiss Textiles im Rahmen seiner neuen Reel-Reihe KRAMIS Teppich Design AG und machte sich ein eigenes Bild.

Den 6. Dezember 2022 wird Tim Kramis von Kramis Teppich Design AG in Altbüron nicht so schnell vergessen. Ein Reel – ein Kurzvideo – das der Marketingchef selbst produziert hat, erreicht auf Instagram innert kürzester Zeit 5,5 Millionen Menschen aus aller Welt. Es zeigt Mitarbeitende, wie sie bunte Teppiche von Hand herstellen. Die Followerzahlen des Familienbetriebs schiessen durch die Decke. Die zuvor 9'000 schnellen auf 117'000. Bald darauf rufen auch die regionalen Medien für ein Interview an.

Tims Kramis

Die Reaktionen waren überwältigend.

«Dass unser Handwerk in den letzten Jahren so viel Begeisterung ausgelöst hat, macht mich stolz», Tim Kramis von Kramis Teppich Design AG.

Tim KRAMIS quer
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Felix Kramis

Wer es einmal beherrscht, den lässt die Leidenschaft nicht mehr los.

«Wie mit einem Musikinstrument»

Beim Tufting schiesst ein Pistole ähnliches Gerät das Garn in die stramm aufgespannte Grundfläche. Während der Roboter das Muster mechanisch nach Vorlage erstellt, wird beim manuellen Tufting alles von Menschenhand gemacht. Gefordert sind absolute Konzentration, Geduld und Körperkraft. «Wer es aber einmal beherrscht, den lässt die Leidenschaft nicht mehr los. Es ist wie mit einem Musikinstrument», verrät Firmengründer und Vater Felix Kramis. Bis ein Teppich angefertigt ist, kann es je nach Farbe und Muster von zwei Tagen bis zu vier Wochen dauern.

Auch ein schöner Teppichrücken kann entzücken

Seine Firma im luzernischen Altbüron hat sich auf Teppiche im Wohn- und Objektbereich im Schweizer Luxussegment spezialisiert. In den vergangenen 35 Jahren hat sie die anfänglich noch unbekannte Herstellungsweise nach eigenen Angaben weiterentwickelt und perfektioniert. So ist bei den Profis selbst die Rückseite des Teppichs – bei Unerfahrenen ein Flickenteppich im wahrsten Sinne des Wortes – piekfein. Keine Löcher, keine hervorstehende Naht oder Garnschlaufen. Und alles stets Unikate.

Ferat Ogjaj

Für mich ist mein Arbeitsplatz hier wie mein zweites Zuhause.
Arbeitet seit bald 18 Jahren als Handtufter bei Kramis Teppich Design AG: Ferat Ogjaj Bild: zvg KRAMIS
Ferat Ogjaj Swiss Textiles

Auch nach fast 20 Jahren noch beeindruckt

Ähnlich wie Felix Kramis gerät auch dessen Mitarbeiter Ferat Ogjaj ins Schwärmen: «Für mich ist mein Arbeitsplatz hier wie mein zweites Zuhause. Tuften ist sehr abwechslungsreich, und das Resultat beeindruckt mich immer wieder aufs Neue», sagt er. Wenn er das Muster am Anfang auf einem Blatt Papier und danach das fertige Werk sehe, sei er happy. Diesen Sommer wird er 18 Jahre als Handtufter arbeiten.

Zur Kundschaft zählen gemäss Firmenportrait Privatpersonen, Unternehmen und Organisationen mit «hohem Qualitätsbewusstsein». Das Schweizer Bundeshaus, Rolex, das Zürcher Fünfsternhotel Dolder Grand und darunter viele Prominente – sie alle liessen sich schon mit den Massanfertigungen ausstatten.

Felix Kramis

Erst später habe ich erfahren, dass es sich um Leadgitarrist der Beatles, George Harrison, gehandelt hat.

Die mit Abstand aussergewöhnlichsten Auftraggeber sind aber andere: «Einmal stellten wir für ein nobles Zentralschweizer Bordell einen bordeauxroten Teppich mit einer Bordüre aus Leopardenmuster her. Das war vor etwa 20 Jahren», verrät Inhaber Felix Kramis. Ein anderes Mal habe er den Auftrag erhalten, einen Teppich auf einer Wendeltreppe in einer Villa im Tessin anzubringen. «Das war etwas kompliziert. Erst später habe ich erfahren, dass es sich beim Besitzer der Villa um Leadgitarrist der Beatles, George Harrison, gehandelt hat».

Eine rote Rose löst neue Begeisterungsstürme aus

Erst kürzlich hat der Teppichproduzent ein neues Projekt abgeschlossen. Eine Kooperation mit Textildesignerinnen einer Fachhochschule. «Mehr kann ich noch nicht verraten. Wir kommunizieren die News aber demnächst», erzählt Tim Kramis mit vielsagendem Blick. Auch ein neues Reel hat er auf Instagram gestellt. Darauf sind Ferat Ogjaj und seine Tuftingpistole von nahem zu sehen. Mit festem Griff und hochkonzentriert schiesst er bordeauxroten Garn in die Grundfläche. Die Blütenblätter einer überdimensionalen roten Rose lassen sich allmählich erkennen. Über 1'300 Menschen haben den Beitrag geliked. Und ein paar weitere Tausend folgen ihnen inzwischen.

«Fast noch schöner als die Aufmerksamkeit ist», gibt Tim Kramis mit einem Schmunzeln zu, «dass unser Handwerk in den letzten Jahren so viel Begeisterung ausgelöst hat. Das macht mich stolz».


Infobox

Ein Quadratmeter kostet je nach Material und Design etwa CHF 1'000 Franken. Produziert wird ausschliesslich in Altbüron und gefärbt in Strengelbach und Emmenmatt. Die Schurwolle stammt aus Neuseeland und Australien, das Flachs aus Frankreich. Die Schafswolle lässt Kramis in der Wollspinnerei Huttwil zu einem Garn verarbeiten. Dazu sagt Tim Kramis: «Wir möchten den Flachs und die Schafwolle künftig vermehrt aus der Schweiz beziehen». Pro Jahr verarbeitet KRAMIS etwa acht Tonnen Garn. Vertrieben wird über den Fachhandel und exklusive Möbelhäuser.

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